
Ein Team Lead, zwei Teilzeitkräfte – doppelte Woman-Power
Seit Anfang 2023 gibt es bei Krones das Pilotprojekt „Führungstandem“. Dabei teilen sich je zwei Kolleginnen in Teilzeit eine gemeinsame Führungsposition.
Im Privaten eine Familie mit Kindern, im Beruflichen eine Stelle in Teilzeit – und dabei trotzdem eine Führungsposition: Ist das überhaupt machbar? Vier Krones Kolleginnen sagen: Ja, ist es. Denn sie sind Teil eines Pilotprojekts, bei dem eine Führungsposition auf zwei Teilzeitkräfte aufgeteilt wird. Die beiden teilnehmenden Zweiergespanne lernen Sie im folgenden Artikel kennen.
Wenn Sie selbst Kinder haben und im Berufsleben stehen, werden Sie jetzt vermutlich zustimmend nicken: Das Jonglieren zwischen Familie und Beruf ist ein organisatorischer Kraftakt. Noch herausfordernder wird es aber, wenn zum Vollzeitjob als Mama oder Papa noch eine Führungsrolle im Job dazukommt. Um diese zwei Welten besser miteinander zu vereinen und die doppelte Verantwortung leichter stemmbar zu machen, hat Krones 2023 ein Pilotprojekt für Führungstandems gestartet. Die Rahmenbedingungen sind schnell erklärt: Eine Vollzeit-Führungsposition wird auf zwei Teilzeitstellen aufgeteilt.
Doch ganz so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint, ist es nicht: Manuela Ebenthal und Franziska Niederhofer sowie Alexandra Keilhammer und Karola Lippert berichten aus ihrem Berufsalltag und erklären, warum gute Organisation, Flexibilität und Vertrauen die wichtigsten Bausteine eines funktionierenden Tandems sind.
Franziska und Manuela, Leitung Key Account Management Suntory
Das erste Duo besteht aus Manuela Ebenthal und Franziska Niederhofer. Beide sind langjährige Krones Vertriebsspezialistinnen: Manuela ist seit fast 20 Jahren im Sales und war vor ihrer Elternzeit Gebietsleiterin für Korea und Taiwan. Franziska machte bereits 2008 die Ausbildung zur Eurokauffrau und durchlief dabei verschiedene Vertriebsabteilungen, zuletzt etablierte sie Suntory als Key-Account-Kunde im Krones Konzern und verantworte ihn seit 2016.
Für beide war klar: Nach der Elternzeit soll es zurück in den Vertrieb, aber eine Vollzeitstelle wie zuvor war keine Option. Das Pilotprojekt bot für Manuela und Franziska die ideale Möglichkeit, das alte Berufsleben mit der neuen familiären Situation zu kombinieren. „Ich habe bereits im Oktober 2022 wieder angefangen, Franzi kam dann im Januar wieder zurück“, erzählt Manuela. „Dann haben wir parallel zum operativen Tagesgeschäft gleich damit begonnen, das Tandem aufzubauen. Denn damit eine gute und effektive Zusammenarbeit möglich ist, brauchen wir eine gut organisierte Struktur als Basis.“ Sei es ein gegenseitiger uneingeschränkter Zugang aufs Outlook-Postfach, die Dokumentation aller Aufträge und Besprechungen über OneNote oder das Definieren geeigneter Ablagesystematiken – Organisation ist das A und O, um im Tagesgeschäft stets den aktuellen Status zu jedem Thema parat zu haben. Denn bei jedem einzelnen Kundenprojekt ist es die Aufgabe von Manuela und Franziska, ein interdisziplinäres Team bestehend aus Projektleitung, Sachbearbeitung und Kolleginnen und Kollegen aus der Technik zu koordinieren.
Eine gute Organisation ist auch bei der Arbeits- und Anwesenheitszeit wichtig. „Wir teilen uns ja eine Vollzeitstelle, das heißt jede von uns arbeitet nominell 20 Stunden. Damit unsere Kunden an jedem Werktag der Woche eine Ansprechpartnerin haben, ist die Woche sozusagen halbiert: Ich bin montags bis mittwochs da, Manu von Mittwoch bis Freitag“, erklärt Franziska. An ihrem gemeinsamen Tag sind beide in Präsenz im Büro, um sich über gemeinsame Projekte auszutauschen. Dann finden auch beispielsweise Abstimmungstermine mit Vorgesetzten, strategische Meetings mit Suntory oder große Projektabstimmungen statt. „Aber diese strikte Aufteilung ist mehr das Ideal, in der Realität ist Flexibilität tatsächlich unglaublich wichtig“, lacht Manu. „Denn mal findet ein wichtiges Meeting an einem Montag statt, mal steht eine Dienstreise an und mal muss spontan umgeplant werden, weil die Kinder – oder wir selbst – krank sind.“ Und Franziska ergänzt: „Umso wichtiger ist es, dass wir unsere Zusammenarbeit zuvor gut strukturiert haben, um uns gegenseitig auch spontan vertreten zu können.“
Es entstehen keine Urlaubslücken, da wir durch unsere interne Organisation in der Lage sind, uns in dieser Zeit optimal zu vertreten.

Im Alltag haben die beiden ihre Arbeit nach Projekten und Regionen aufgeteilt, denn: „Nicht jede kann über alles Bescheid wissen – da bräuchten wir so viele Abstimmungsrunden, das wäre nicht machbar“, fasst Manuela zusammen. „Steht einmal ein Kundenbesuch hier im Werk an, dann sind wir natürlich beide vor Ort, um die Delegation zu betreuen.“ Auch in Urlaubszeiten profitieren die Kunden von der doppelten Frauenpower: „Es entstehen keine Urlaubslücken, da wir durch unsere interne Organisation in der Lage sind, uns in dieser Zeit optimal zu vertreten. Grundsätzliche strategische Themen ruhen dann natürlich, aber tagesaktuelle und wichtige Anfragen bearbeitet in dieser Zeit einfach die Kollegin und das Projekt läuft weiter“, erklärt Franziska und Manuela ergänzt: „Das steigert im Übrigen auch den eigenen Erholungsfaktor, weil man weiß, dass man sich nach dem Urlaub nicht erst einmal durch einen Berg an E-Mails arbeiten muss.“
Alles in allem war es für die beiden ein erfolgreiches erstes Jahr in geteilter Führungsposition. „Es war zwar ein Jahr voller Herausforderungen, die wir aber als Team super gemeistert haben“, findet Franziska.
Mehr über das zweite Tandem und das Diversity Board bei Krones lesen Sie auf Seite 2.
Alexandra und Karola, Leitung Finance Billing
Auch die beiden Kolleginnen des zweiten Führungstandems sind schon viele Jahre bei Krones. Alexandra Keilhammer arbeitet seit über 20 Jahren im Finanzbereich, Karola Lippert war in den letzten 16 Jahren im Vertrieb tätig, zuletzt in der Abteilung Contract Management. Vergangenes Jahr haben beide nach einer neuen beruflichen Herausforderung gesucht. „Die Team-Leitung im Tandem war die perfekte Lösung, da sich hier die Familie mit Verantwortung im Job vereinbaren lässt“, sind sich beide einig. Seit Juni 2023 teilen sich die beiden nun die Aufgabe als Leitung der Billing-Abteilung. Diese besteht aus Alexandra und Karola sowie einem 13-köpfigen Team, das sich um die komplette Rechnungsstellung – egal ob bei Neumaschinen-Projekten, Ersatzteilen oder Nachrüstungen – kümmert.
„Wir kannten uns bereits aus früheren Tätigkeiten und haben schon damals gut zusammengearbeitet. Deshalb war für uns schon vor der Bewerbung klar: Wir möchten das Tandem gerne gemeinsam bestreiten“, erklärt Karola. „Denn eine gute Chemie untereinander ist bei diesem Modell unglaublich wichtig. Man muss nicht eng miteinander befreundet sein, vielmehr geht es darum, einander zu vertrauen und die jeweils andere zu schätzen – sowohl ihre berufliche Kompetenz als auch das fachliche Wissen.“
Offenheit steht auch für Alexandra an oberster Stelle: „Wir haben uns zu Beginn ehrlich ausgetauscht über die eigene Motivation und Erwartungen an den neuen Job und auch die Tandempartnerin. Und wir tun es auch immer noch, indem wir regelmäßig reflektieren und Feedback geben. Denn nur, wenn wir die Gedanken und Meinungen offen aussprechen, können wir uns auch gegenseitig vertrauen.“ Um dieses Vertrauen gleich von Beginn an zu stärken, verbrachten Alexandra und Karola einen gemeinsamen Coaching-Tag. Hier lernten sie die Stärken und Schwächen der jeweils anderen kennen und legten fest, wie sie künftig mit Entscheidungen umgehen, wer welche Aufgaben übernimmt oder wie die Kommunikationswege aussehen sollten.
Auch wenn Alexandra und Karola nach knapp einem halben Jahr Erfahrung als Führungstandem eigentlich immer noch in der Anfangsphase sind, fällt ihr erstes Fazit durchwegs positiv aus: „Grundsätzlich ist ein Tandemmodell in der heutigen Zeit eine tolle Möglichkeit und eine Win-win-win-Situation – für Krones, für unser Team und für uns selbst“, resümiert Alexandra. „Die Aufgaben an eine Führungskraft werden immer komplexer – da ist es gut, wenn man zu zweit ist. Denn zwei Köpfe sind kreativer und durch zwei unterschiedliche Meinung ergibt sich vielleicht ein gemeinsamer idealer Mittelweg.“ Und Karola ergänzt: „Der Satz ‚Veränderungen sind am Anfang hart, in der Mitte chaotisch und am Ende wunderbar‘ passt, wie wir finden, eigentlich perfekt. Natürlich ist es nicht immer leicht und mit einem Kind daheim muss man hier oder da schon einmal improvisieren und vom eigentlich Tagesplan abweichen. Aber dafür sind wir ja auch zu zweit – und das Tandem gibt uns die Möglichkeit, Verantwortung im Beruf und Zeit mit der Familie zu kombinieren.“
Grundsätzlich ist ein Tandemmodell in der heutigen Zeit eine tolle Möglichkeit und eine Win-win-win-Situation – für Krones, für unser Team und für uns selbst.

„Wir sind auf dem richtigen Weg“
Diesen Spagat erfolgreich zu meistern, ist eines der Ziele des Konzepts, wie Rudolf Erndl, Head of HR Business Partners, erklärt: „Damit ein Führungstandem funktionieren kann, sind zwei Voraussetzungen nötig: Zum einen muss sich natürlich die Stelle im Hinblick auf ihre Aufgabengebiete eignen, dass sie von zwei Teilzeitkräften übernommen wird. Zum anderen müssen sich die potenziellen Tandempartner auch zutrauen, trotz Teilzeit eine Führungsposition übernehmen zu wollen.“
Um mögliche Bedenken beiseitezuräumen und die Tandems zu unterstützen, steht ihnen das Team der Personalentwicklung zur Seite, wie Corinna Walter erklärt: „Viele Kolleginnen und Kollegen sind hinsichtlich der Idee ‚Führung in Teilzeit‘ noch zurückhaltend, was sich beim möglichen Teilen der Verantwortung hoffentlich nach und nach auflöst. Um genau diese gedanklichen Barrieren aufzulösen und aus zwei Teilzeitkräften ein gut funktionierendes Tandemgespann zu machen, unterstützen wir bei Bedarf während und nach der Startphase mit begleitenden Coaching-Angeboten und stehen bei Fragen beratend zur Seite.“
„Für ein finales Fazit ist es natürlich noch zu früh, es hat sich noch nicht alles eingespielt und wirklich etabliert. Wir begleiten deshalb die beiden Tandems noch weiter und evaluieren deren Erfahrungen und Feedback“, so Rudolf Erndl. „Aber ich denke, die Rückmeldungen der Teilnehmerinnen und auch aus den Bereichen selbst zeigt, dass wir mit diesem Konzept auf dem richtigen Weg sind.“


2021 wurde das Diversity Board bei Krones gegründet. Eines der Ziele: den Frauenanteil in Führungspositionen zu erhöhen. Denn bis 2024 soll dieser in den Ebenen 1 und 2 unterhalb des Vorstands bei 15 Prozent liegen. Dafür definierte das Team verschiedene Maßnahmen und Ziele – und das Tandem-Pilotprojekt passt sich ideal in diese Strategie ein. „Mit dem Konzept der Tandemführung zahlen wir darauf ein, dass Beruf und Familie leichter miteinander zu vereinbaren sind. Und obwohl unsere beiden ersten Führungstandems ausschließlich aus Frauen bestehen, so sind sicherlich auch andere Konstellationen möglich“, so Uta Anders, Vorständin Finance and Controlling und Mitglied des Diversity Boards.
Gleichzeitig sollen in Zukunft natürlich auch die anderen Facetten von Diversity nicht vernachlässigt werden. Die aktive Auseinandersetzung mit der Förderung von Frauen ist also nur ein erster Schritt für weitere Diskussionen: „Letztendlich geht es dem Diversity Board darum, die Vielfalt im Unternehmen zu fördern und Diversity aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und mit Leben zu füllen – denn von dieser profitieren letztlich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, fasst Uta Anders zusammen.
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Julia Leserer
