
Budweiser Budvar steigt bei Flasche und Dose auf Krones um
Zwei Mal in zwei Jahren hat die tschechische Brauerei Budweiser Budvar eine Anlage von Krones in Betrieb genommen, diesmal eine komplette Dosenlinie.
Viele Jahrzehnte füllte die tschechische Brauerei Budweiser Budvar ihre Biere nicht auf Abfüllanlagen von Krones. Das änderte sich erstmals Anfang 2020, denn da nahm sie ihre erste Krones Linie in Betrieb: eine komplette Mehrwegglas-Anlage mit einer Leistung von 50.000 Flaschen pro Stunde. Nach den guten Erfahrungen damit entschied sich die Staatsbrauerei jetzt erneut für Krones. Diesmal installierte sie eine komplette Dosenlinie mit einer Leistung von 50.000 Dosen pro Stunde.
Budweiser Budvar in Zahlen
Abfülllinien
- Drei Glas-Abfüllanlagen mit Leistungen von zweimal 30.000 und einmal 50.000 Flaschen pro Stunde
- Zwei Dosenlinien für 25.000 und 50.000 Dosen pro Stunde
- Eine Keg-Linie für 500 Kegs pro Stunde
Ausstoß
- 2021: rund 1,8 Millionen Hektoliter
- Davon Export: über eine Million Hektoliter in mehr als 80 Länder der Welt, allein 450.000 Hektoliter nach Deutschland
Die Installation einer neuen Dosen-Abfüllanlage stand ganz oben auf der Prioritätenliste der Verantwortlichen. Denn die Ausfuhr der Biere in Dosen ist besonders praktisch. Manche Länder wie beispielsweise Südkorea importieren Budweiser sogar ausschließlich als Dosenbier. Aber auch der zunehmende Heimkonsum von Bier aufgrund der Covid-19-Einschränkungen in den vergangenen beiden Jahren spielte dieser Verpackungsart in die Karten. 2021 war der Absatz in Dosen deshalb schon auf annähernd 500.000 Hektoliter gestiegen. Zum Vergleich: Als die vorhandene kleinere Dosenlinie im Jahr 2012 installiert wurde, war noch von einem Ausstoßziel von 70.000 Hektolitern die Rede.
Kurios: Budweiser und Budweiser
Bierkenner wissen: Es gibt auf der Welt zwei Biermarken „Budweiser“. Nach einem seit 1907 andauernden Rechtsstreit zwischen der im tschechischen Budweis (tschechisch: České Budějovice) ansässigen Brauerei Budweiser Budvar und dem amerikanischen Brauereiunternehmen Anheuser-Busch mit seiner Biermarke Budweiser sieht die Rechtslage derzeit so aus: Das amerikanische Budweiser darf sich überall auf der Welt so nennen, außer in Tschechien, Deutschland und Österreich. Hier ist „Budweiser“ tschechisch. Laut einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs kann sich der US-Konzern seine Marke hier nicht schützen lassen. Auf dem US-amerikanischen und kanadischen Markt hingegen wird das tschechische Budweiser-Bier wegen der Schutzmarkenrechte von Anheuser-Busch unter der Marke „Czechvar“ verkauft.
Räumliche Hürden – gut gelöst
Die neue Anlage zur Abfüllung von Dosen wurde in einem ehemaligen Flaschenbier-Lager untergebracht. Die Installation war nicht unproblematisch, weil der dafür vorgesehene Raum durch Stützpfeiler in einem Raster von sechs mal sechs Metern unterteilt ist. Eine Herausforderung für das Layout-Team bei Krones, welches die Anlage auf engstem Raum einplanen musste:
- Der Pasteur beispielsweise musste in fünf Teilsegmenten angeliefert und installiert werden – und passt nun zentimetergenau zwischen die Pfeiler.
- Um die Stapelhöhe der Leerdosen-Paletten optimal auszunutzen, setzt die Brauerei einen Abschieber mit hohem Auslauf ein, der die Leerdosen auf ein erhöhtes Podest entlädt, das speziell dafür konstruiert worden ist.
- Die Anlage musste außerdem an ein vorhandenes Paletten-, Transport- und Lagersystem mit 19.500 Palettenstellplätzen angeschlossen werden.
„Während der Installation und Inbetriebnahme sahen wir uns darüber hinaus mit einer Reihe von außergewöhnlichen Schwierigkeiten wie der Coronavirus-Pandemie und dem Krieg in der Ukraine konfrontiert“, erklärt Investitionsmanager Dalibor Čáp. „Trotz alledem ist es allen mitwirkenden Lieferanten gelungen, den Termin für den Beginn der Abfüllung, nämlich den 1. März 2022, auf den Tag genau einzuhalten. Dafür möchte ich allen Beteiligten ein großes Dankeschön aussprechen.“
Allen Mitwirkenden ist es gelungen, den Termin für den Beginn der Abfüllung auf den Tag genau einzuhalten.

Die neue Dosenlinie
- Behälterabschieber Pressant Universal1A mit hohem Auslauf
- Leerdosen-Inspektor Cantronic
- Mixer Contiflow
- Dosenfüller Modulfill VFS-C mit Einrichtung zur Schaumreinigung sowie Dosenverschließer Modulseam, beides im Reinraum aufgestellt
- Zwei Kontrollgeräte Checkmat FM-X
- Zwei Behältertrockner Linadry vor und nach der Dosencodierung
- Pasteur LinaFlex
- Einweg-Packer Variopac Pro TFS
- Palettierer Modulpal Pro 2AC
Bewusste Entscheidung für Pasteur
„Die Integration eines Tunnelpasteurs LinaFlex war uns wichtig, um eine Mindesthaltbarkeit von zwölf Monaten sicher gewährleisten zu können“, erläutert Dalibor Čáp. Da die vorhandene kleinere Dosenabfüllanlage keinen Tunnelpasteur, sondern nur eine Kurzzeiterhitzungsanlage enthält, ist sie derzeit außer Betrieb gesetzt. Budweiser Budvar verlässt sich nun ausschließlich auf die neue Krones Linie. Deren Pasteur LinaFlex lässt es zu, die Pasteureinheiten punktgenau auf die verschiedenen Produkte und unterschiedlichen Dosengrößen abzustimmen.
Sie ist übrigens auch die erste Dosenlinie in der Tschechischen Republik, die einen Laser an der Linie einsetzt, um den Boden der Dosen mit dem Abfüll- beziehungsweise Mindesthaltbarkeitsdatum zu kennzeichnen.
„Die Effizienz der Linie ist entscheidend für uns“
Zur Überwachung der Effizienz sind die Maschinen der Linie in das Liniendiagnosesystem SitePilot Line Diagnostics sowie das Auftrags- und Materialverwaltungssystem SitePilot Line Management eingebunden. „Die Effizienz der Linie ist entscheidend für uns. Wir wollen deshalb genau wissen, ob etwas fehlt, ob das jeweilige Abfüllprodukt in ausreichender Menge zur Verfügung steht, ob genügend Verpackungsmaterial bereitsteht, ob das Abfülldatum sauber angebracht wurde und so weiter. Das alles teilt uns das Line Management System mit“, erklärt Dalibor Čáp.
Wichtig ist der Geschäftsführung der Brauerei auch das Thema Nachverfolgbarkeit. Dazu werden unter anderem die Paletten mit EAN-Code versehen, der eine genaue Zuordnung der Paletten im Hochregallager möglich macht. Das Materialverwaltungssystem SitePilot Line Management von Krones nutzt die Brauerei übrigens auch schon bei der 2020 in Betrieb genommenen Mehrwegglas-Linie – und ist damit hochzufrieden. Dank der guten Erfahrungen strebt Budweiser Budvar für die Zukunft ein Gesamtkonzept in Form eines ERP-Systems (Enterprise Ressource Planning) für die komplette Brauerei an.


„Hervorragende Ergebnisse“
Abgefüllt werden auf der Anlage vor allem 0,5-Liter-Dosen, aber auch andere Größen (0,33, 0,44 und 0,568 Liter, also sogenannte Pints) sind möglich. Verpackt werden diese in 24er-Packungen, zum Teil auch vorgruppiert in Einheiten von 2 x 2 und 2 x 6. „Die Abnahmen ergaben einen Wirkungsgrad von 97,68 Prozent im ersten und 98,34 Prozent im zweiten Test, was wir für hervorragende Ergebnisse halten. Alle eingesetzten Technologien sind von hoher Qualität. Nach der Installation begannen die Maschinen sofort ihre Arbeit, kleinere Mängel wurden während der folgenden zwei Monate beseitigt“, urteilt der Investitionsmanager.
Die neue Dosenlinie läuft jetzt im Dreischichtbetrieb an fünf Tagen in der Woche. Mit ihrer höheren Leistung und guten Performance erspart sie der Brauerei und dem Bedienpersonal das Arbeiten an den Wochenenden, ein nicht zu unterschätzender positiver Faktor.
Die Entscheidung für Krones fiel nach einer offiziellen Ausschreibung. „Als Staatsbrauerei mussten wir uns bei der Auswahl des Lieferanten streng an die Regeln halten. Krones bot die günstigsten Konditionen und das bessere Layout – und wir hatten ja bereits gute Erfahrungen mit Krones bei der Installation der Mehrwegglas-Abfüllanlage im Jahr 2020 gemacht. Deshalb haben wir uns erneut für Krones entschieden“, erklärt Dalibor Čáp. „Auch die Serviceleistung sowohl der tschechischen Krones Beschäftigten als auch der deutschen Krones AG können wir sehr positiv bewerten. Bei der Umsetzung haben wir eng und auch auf freundschaftlicher Basis kooperiert“, sagt er.
Bei der Umsetzung haben wir eng und auch auf freundschaftlicher Basis kooperiert.

Ausbaupläne auf 3,6 Millionen Hektoliter
Und wie geht es weiter bei der staatlichen Brauerei Budweiser Budvar? „Unsere große Aufgabe ist, die Brauerei auf die angestrebte Kapazität von 2,7 Millionen Hektoliter pro Jahr weiter auszubauen. Hierfür haben wir bereits mit den Planungsarbeiten begonnen und bereiten den Bau eines neuen Sudhauses mit drei Sudlinien vor. Diese sollen erneut aus Kupferanlagen bestehen“, so Dalibor Čáp. „Aktuell führt das Sudhaus zu einem Kapazitätsengpass: Es ist zu 100 Prozent ausgelastet, vermutlich auch, weil wir uns in den vergangenen Jahren auf die Gär- und Lagerkapazität sowie die Abfüllanlagen konzentriert haben.“ Auch die beiden älteren Glas-Abfüllanlagen sollen in absehbarer Zeit durch eine oder zwei neue Linien ersetzt werden. „In der Tat sind wir durchgängig am Bauen. Und wir haben aber noch höhere Ziele“, umreißt Dalibor Čáp, der seit über 20 Jahren in verantwortlicher Position bei der Staatsbrauerei arbeitet, die Zukunft der Brauerei. „Denn wir denken parallel darüber nach, wie wir die Kapazität auf 3,6 Millionen Hektoliter pro Jahr aufstocken können. Dies wird jedoch das absolute Maximum sein, das uns die Größe der Braustätte erlaubt.“
Traditionelle Brauweise
Budweiser Budvar wurde im Jahr 1895 gegründet, ist eine hundertprozentige Staatsbrauerei und beschäftigt heute mehr als 650 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Brauereigelände mit einer Fläche von rund 120.000 Quadratmetern liegt am nördlichen Stadtrand der südböhmischen Stadt České Budějovice, die bei Touristen besonders beliebt ist. Speziell die Braustätte ist ein Magnet für Bierfans aus aller Welt. Rund 60.000 Gäste besuchen die Brauerei jedes Jahr. Das liegt vor allen Dingen an dem guten Ruf der Lagerbiere und der klassischen, weitgehend traditionellen Brauweise.
- Im Sudhaus betreibt Budweiser beispielsweise zwei Sudlinien aus Kupfer, die jeweils einen Läuterbottich mit außergewöhnlichen sieben Metern Durchmesser enthalten.
- Budweiser braut auch nach dem eigentlich deutschen Reinheitsgebot und verwendet lediglich Malz, Hopfen, Hefe und Wasser – genauer gesagt nur Saazer Hopfen aus dem Böhmerland als ganze Hopfendolde. Sie dürfte damit die einzige Großbrauerei der Welt sein, die ausschließlich den nicht ganz preiswerten Doldenhopfen einsetzt.
- Budweiser Budvar lässt sein Lagerbier sehr lange, über 90 Tage hinweg, bei kalten Temperaturen von etwa zwei Grad Celsius in den tiefen und weitläufigen Kellern des Brauereigeländes reifen. „Das tut dem Geschmack, der Vollmundigkeit und dem Charakter besonders gut“, erklärt Dalibor Čáp.
Hauptmarke ist das Budweiser Budvar Original Premium Lager. Darüber hinaus produziert die Brauerei auch das bittere Lagerbier 33, das dunkle Budweiser Budvar sowie Schank- und alkoholfreies Bier. Neuheiten sind ganz aktuell zum einen ein Radler in drei Geschmacksrichtungen unter dem Namen Birgo, das in Zusammenarbeit mit dem tschechisch-italienischen Mineralwasserhersteller Mattoni entwickelt worden ist, zum anderen (in Kooperation mit einer kleinen Brauerei) das Craft Beer Bohemian Idols.
Manfred Kaiser