Glas, PET oder faserbasierte Flaschen? Eine Case Study am Burkina Institute of Technology zeigt, dass die beste Verpackungslösung nicht nur vom Material, sondern auch von Infrastruktur, Klima und Konsumverhalten abhängt.
Insgesamt 67 Studierende des Burkina Institute of Technology (BIT) gingen im Rahmen des Projekts „Challenges and System Realities of Beverage Packaging in (West) Africa“ der Frage nach, wie unterschiedliche Getränkeverpackungen unter den Bedingungen Westafrikas funktionieren. Über mehrere Wochen analysierten sie verschiedene Verpackungssysteme, führten Umfragen durch und diskutierten ihre Erkenntnisse mit Expertinnen und Experten aus dem Krones Netzwerk.
Die wichtigste Erkenntnis aus den Untersuchungen: Ob eine Verpackung nachhaltig ist, entscheidet nicht allein das Material. Ebenso wichtig sind funktionierende Sammel- und Rückgabesysteme, Transportwege, lokale Infrastruktur und das Konsumverhalten der Menschen vor Ort.
Im Expertentalk: Wie Glas durch Wiederverwendung und Recycling im Kreislauf bleibt
Glas: ein bewährtes Mehrwegsystem mit Potenzial
Die Analyse der Glasflaschensysteme zeigt, dass Mehrweg-Glas in Burkina Faso grundsätzlich funktioniert. Besonders in der Gastronomie werden Flaschen regelmäßig zurückgegeben, gereinigt und erneut verwendet. Dennoch stößt das System an seine Grenzen: Hohe Temperaturen, intensive UV-Strahlung und anspruchsvolle Transportbedingungen belasten die Flaschen im täglichen Einsatz. Wenn Mehrwegflaschen beschädigt werden oder zu Bruch gehen, scheiden sie aus dem Kreislauf aus. Zudem sind Sammel- und Recycling-Strukturen für Glas vielerorts nur begrenzt ausgebaut. Die Studierenden sehen daher vor allem Potenzial in einer besseren Verbraucheraufklärung sowie im Ausbau der Sammel- und Recycling-Infrastruktur.
Sachets und PET: im Spannungsfeld
Kleine Kunststoff-Getränkebeutel, sogenannte Sachets, gehören in vielen Regionen Westafrikas zum Alltag. Die Befragung von 43 Personen aus Burkina Faso liefert erste Hinweise darauf, dass Sachets vor Ort die bevorzugte Getränkeverpackung sind. Sie ermöglichen einen kostengünstigen Zugang zu Trinkwasser und anderen Getränken, stehen jedoch aufgrund ihres Beitrags zur Umweltverschmutzung in der Kritik.
Eine mögliche Alternative sind PET-Flaschen. Deren Verbreitung wird allerdings durch höhere Kosten sowie den Aufbau entsprechender Produktions- und Recyclingkapazitäten erschwert. Die Ergebnisse verdeutlichen damit das Spannungsfeld zwischen Umweltaspekten und Erschwinglichkeit: Was aus ökologischer Sicht problematisch erscheint, erfüllt für viele Menschen eine wichtige soziale Funktion.
Pulp Bottles: Interesse wächst
Auch faserbasierte Flaschen standen im Fokus der Untersuchungen. Viele Befragte bewerteten diese Verpackungsform grundsätzlich positiv und sehen Potenzial für ihren Einsatz in Burkina Faso. Gleichzeitig zeigte sich jedoch, dass diese sogenannten „Pulp Bottles“ bislang weniger bekannt sind: Viele Teilnehmende konnten nicht eindeutig einschätzen, wie die Verpackung nach Gebrauch korrekt entsorgt werden sollte. Zudem herrschte Unsicherheit darüber, wie widerstandsfähig die Flaschen gegenüber Hitze, Feuchtigkeit und Transportbelastungen sind – Faktoren, die unter den klimatischen Bedingungen Westafrikas eine entscheidende Rolle spielen.
Papierbasierte Pulpe-Flaschen aus der Krones Entwicklung
Wertvolle Impulse für Forschung und Entwicklung
Die Ergebnisse liefern wertvolle Hinweise für die Weiterentwicklung von Verpackungs-, Reuse- und Recycling-Lösungen in unterschiedlichen Märkten. Gleichzeitig zeigt die Case Study, wie wertvoll internationaler Austausch mit lokalen Akteurinnen und Akteuren ist.
Die zentrale Botschaft: Eine universell nachhaltige Verpackung gibt es nicht. Erst das Zusammenspiel von Material, Infrastruktur und Kreislaufsystemen entscheidet über die tatsächliche Umweltwirkung. Genau darin liegt der Wert der gewonnenen Erkenntnisse – für Forschung, Entwicklung und den internationalen Wissensaustausch.
Schon gewusst?
Das Klima in Burkina Faso ist geprägt von langen Trockenzeiten und hohen Temperaturen. In vielen Regionen liegen die Durchschnittstemperaturen deutlich über 20 °C, in der Sahelzone häufig zwischen 30 und 40 °C. Diese Bedingungen stellen besondere Anforderungen an Verpackungen, Recyclingprozesse und Logistik.