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    Bereut haben wir nie was

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    25. Juni 2026
    10:05 Min.
    Ein Rückblick auf die prägendsten Momente der Krones Technologiegeschichte – mit Volker Kronseder und Matthias Wahl.
    • Volker Kronseder, Aufsichtsratsvorsitzender und Sohn des Firmengründers, sowie Matthias Wahl, Leiter der Patentabteilung (rechts), im Interview

    Eine erfindungsreiche Belegschaft, eine Kultur der Neugierde, der Mut, neue Ideen umzusetzen und mutige Kunden haben immer wieder dafür gesorgt, dass Krones die Nase technologisch vorn hat. Wir lassen mit Volker Kronseder, Aufsichtsratsvorsitzendem und Sohn des Firmengründers, sowie Matthias Wahl, Leiter der Patentabteilung, prägende Momente der Krones Technologiegeschichte Revue passieren. 

    Herr Kronseder, Herr Wahl, wer braucht mehr Mut: Krones, um eine kühne Idee auf den Markt zu bringen oder Kunden, die sie als erstes bei sich einsetzen? 

    Kronseder: Es zeichnet uns aus, dass wir durchaus mutig sind. Und wir brauchen genug Fachkenntnis von der Kundensituation, um unsere Möglichkeiten und Fähigkeiten einzuschätzen. Natürlich wird nicht jeder Mut mit Erfolg belohnt. Auch wenn ich noch so überzeugt von meiner Idee bin – der Markt und die Kunden entscheiden oftmals anders.  

    Wahl: 1997 hatten wir den Roundpac auf der Messe in München, ein damals revolutionärer kontinuierlich arbeitender Ein- und Auspacker. Zwei Braumeister schauten ihn an. Der eine meinte „Das ist ja was ganz Neues, ob das gescheit funktioniert?“ worauf der andere sagte: „Das kannst du kaufen, weil der Kronseder dich mit einer neuen Maschine nicht sitzen lässt. Der arbeitet so lange, bis die geht.“ 

    Kronseder: Wir sind dafür bekannt, dass wir uns kümmern, bis alles fertig ist. Insofern tragen Kunden, die sich was trauen, das Risiko nicht allein. Der Dynafill ist so ein Beispiel: Die Kunden brauchen durchaus Mut, um sich so ein komplett revolutionäres Füllsystem anzuschaffen. Die Vorteile des Systems liegen auf der Hand, aber noch hat es sich nicht hundertfach bewährt. Generell hatten und haben wir einige sehr mutige Kunden, die mit ihrem hohen Anspruch auch uns voranbringen. 

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    Der Roundpac bei einer internen Informationsveranstaltung Mitte der 90er-Jahre.

    Welche Erfindungen waren aus Ihrer Sicht die wichtigsten für Krones?

    Kronseder: Eine der wichtigsten war das Hochleistungs-Etikettieraggregat Anfang der 70er-Jahre. Bis dahin war im Abfüllbetrieb der Etikettierer die Maschine mit den meisten Störungen. Unsere Entwicklung hat ihn zur zuverlässigsten Maschine gemacht. Wir waren damit lange konkurrenzlos. Kunden haben uns aus dieser Erfahrung heraus vieles zugetraut. Sie meinten: „wenn Krones jetzt einen Füller macht, können wir den kaufen, weil Krones kann das.“  

    Wahl: Ohne dieses Hochleistungs-Etikettieraggregat für die Kaltleimetikettierung hätte man damals keinen Block entwickeln können. Und die Block-Technik prägt uns bis heute.  

    Kronseder: Mit der automatischen Leerflaschen-Inspektion waren wir auch lange die einzigen. Damals haben noch Menschen per Sichtkontrolle jede einzelne Flasche überprüft. Unsere ersten Inspekteure nutzten Scanner mit sich drehenden Spiegelelementen. Man konnte damit den Flaschenboden und die Mündung inspizieren und Schmutz, Scherben oder Beschädigungen sehen. Ende der 80er-Jahre stiegen wir frühzeitig auf Kameratechnik um. Heute kostet eine digitale Kamera fast nichts und viele bieten Inspektionstechnik an. Aber wir waren über wirklich viele Jahre weitgehend allein am Markt.  

    Wahl: In den 70er-Jahren gab es schon Anbieter kompletter Abfülllinien mit Nass- und Trockenteil. Sie hatten alles im Programm außer Etikettiermaschinen und Inspekteure. Die hatte im Hochleistungsbereich nur Krones im Programm. Dafür waren wir die Spezialisten. So war das damals. 

    Und wie ging es dann weiter? 

    Kronseder: Eine meiner ersten und wichtigsten Entscheidungen als CEO war die Etablierung der Kunststofftechnik. Es gab damals im oberen Leistungsbereich im Wesentlichen zwei Anbieter für Streckblasmaschinen zur Flaschenherstellung aus PET. Als wir unsere erste Streckblasmaschine entwickelten, wollten wir etwas Eigenes machen und kamen mit einer zweistöckigen Lösung mit kompaktem Footprint raus. 1997 stellten wir die Contiform auf der drinktec vor. Die Konkurrenz war fassungslos.  

    Wahl: Sie haben uns nach der Messe postwendend verklagt – erfolglos. Einer hatte ein Patent auf ein mittenfrei gelagertes Blasrad. Aber wir hatten einen älteren Prospekt im Archiv, in dem man ein mittenfrei gelagertes Blasrad erkennen konnte. Das war ein Hinweis darauf, dass diese Mittenfreiheit schon vor der Patentanmeldung Stand der Technik gewesen war. Dann kam mir ein unglaublicher Zufall zu Hilfe. Bei einer Fahrt im Shuttle vom Flughafen nach Hause stellte sich heraus, dass ein Kollege jemanden aus der Kunststoffbranche kannte, der über diese älteren Maschinen Bescheid wusste. Ich fragte später diesen Spezialisten, ob die Maschinen schon immer mittenfrei gewesen seien. Er bestätigte das und sagte mir, wo eine solche Maschine zu finden ist. Wir sind mit den Leitern der Patentabteilungen des Klägers und von Krones hin und haben das angeschaut. Dann war Ruhe.  

    Eine meiner ersten und wichtigsten Entscheidungen als CEO war die Etablierung der Kunststofftechnik. 1997 stellten wir die Contiform auf der drinktec vor. Die Konkurrenz war fassungslos. Erwin HächlVolker Kronseder

    Kronseder: Ein weiteres Highlight der 90er-Jahre ist die aseptische Abfüllung. Glas konnte man heiß abfüllen oder durch den Pasteur fahren. Aber PET-Flaschen fangen bei 80 Grad Celsius an, sich zu verformen. Mikrobiologie war damals neu für uns, ein Spezialist schlug vor, die Luft auf 80 Grad zu erwärmen und dann abzufüllen. Aber damit war es nicht getan. Also kam die kaltsterile Abfüllung im Reinraum mit sterilisierten Flaschen und Verschlüssen. Das war komplex, man durfte keine Keime von außen eintragen. Heute sterilisieren wir die Preforms, das ist viel einfacher.  

    Wahl: Wir waren die ersten, die in der Blasmaschine einen kompakten ringförmigen Reinraum um die Blasformen herum realisierten. Damit war unsere Maschine im mikrobiologisch relevanten Bereich zuverlässig sterilisierbar – das konnten andere damals nicht.  

    Kronseder: Eine ganz große Entwicklung ist der ErgoBloc L. Er ist meiner Meinung nach immer noch ein Alleinstellungsmerkmal. Als ich das Konzept zum ersten Mal sah, sagte ich: „Das geht nie.“ Weil jede einzelne Maschine Schwachpunkte hat, die zu Störungen führen können und sich diese Störanfälligkeiten im Block multiplizieren. Unsere Entwickler haben es tatsächlich geschafft, all diese Schwachpunkte zu eliminieren. Vor ein paar Jahren wurde der hundertste ErgoBloc L ausgeliefert, das ist eine irre Erfolgsgeschichte im PET-Bereich. 

    Eine ganz große Entwicklung ist der ErgoBloc L. Er ist meiner Meinung nach immer noch ein Alleinstellungsmerkmal. Erwin HächlVolker Kronseder

    Wahl: Ich möchte noch eine interne Innovation Ende der 90er-Jahre hervorheben, und zwar die Umstellung der Auftragsabarbeitung auf SAP. Da gab es stürmische Diskussionen. Die einen waren überzeugt, dass die Prozesse künftig in Software laufen müssten, die anderen befürchteten, dass der Aufwand dafür die Firma ruiniert. Aber rückblickend war es eine Riesenerfolgsgeschichte.  

    Kronseder: In den 2000er-Jahren war außerdem der F1 Füller maßgeblich. Er hatte keine Zahnräder mehr, sondern elektronische Einzelantriebe für jede Station. Man konnte modulare Sternsäulen mit synchronisierten Servoantrieben aufbauen und den bis dahin üblichen Maschinentisch eliminieren, sodass Getränkereste und Reinigungsmittel völlig frei abfließen. Das war ein enormer Fortschritt in Sachen Hygiene.   

    Hat Krones je eine Idee bereut?

    Kronseder: Bereut haben wir nie was. Wir haben immer etwas gelernt. (beide lachen) 

    Wahl: Einmal hatte ein Kollege die Idee, mit dem Roundpac kontinuierlich zu palettieren. Das wäre revolutionär gewesen. Wir haben das im Versuch auch gebaut, aber es hat nicht reibungslos funktioniert. Da muss Hermann Kronseder zu ihm gesagt haben, „Pack es weg. Wir haben es ausprobiert und wissen jetzt, dass es nicht geht.“ 

    Gibt es eine Entscheidung, über die man heute besonders froh ist? 

    Kronseder: Die Contiroll war eine völlig neuartige Art des Etikettierens. Die ersten PET-Flaschen bekamen zunächst Papier- und dann zunehmend Folienetiketten. Die Folienetiketten waren bei den Vorgängermaschinen fertig vorgeschnitten und relativ dick, damit sie im Etikettenbehälter stehen. Ich dachte mir, wenn man das von der Rolle macht und die Etiketten erst in der Maschine abschneidet, können sie dünner werden. Das ist billiger und ermöglicht transparente Folien. Aus dieser Idee wurde die Contiroll, die wir 1985 vorstellten. Es hat gedauert, bis die Kunden die Vorteile erkannten, aber sie ist bis heute ein Bestseller.   

    25. Juni 2026
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