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    Pionierprojekt: Milchproduktion in Mauretanien

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    Krones realisierte für das mauretanische Import- und Export-Unternehmen Enazaha in der Hauptstadt Nouakchott eine Turnkey-Molkerei. Wesentlicher Bestandteil des Greenfield-Projekts ist die gesamte Prozesstechnik für Milch-Rekombination aus Milchpulver und Milchfett.

    Die Menschen in Mauretanien mögen Milch. Das Getränk blickt ohnehin auf eine lange Tradition in der nomadischen Kultur zurück. Aktuell gewinnt der Konsum von Milch und Milchprodukten sogar zusätzlich an Bedeutung – allerdings gibt es aufgrund der klimatischen Verhältnisse im Wüstenstaat kaum Milchvieh. Derzeit produzieren vier Molkereien in Mauretanien Frischmilch, jedoch mit einer Haltbarkeit von nur einer Woche. Damit kann lediglich die Nachfrage in der Hauptstadt selbst bedient werden, in der rund eine Million Menschen leben.

    Das nordwestafrikanische Land importiert deshalb bislang den Großteil seiner UHT-Milch und Milchprodukte aus Europa, Ägypten und Saudi-Arabien. Um sich unabhängiger zu machen, begann Enazaha jetzt mit der Verarbeitung und Abfüllung von H-Milch und Kondensmilch sowie Trinkjoghurt. Basis für die erzeugten Milchprodukte sind importiertes Milchpulver und Milchfett.

    Projekt: Turnkey-Molkerei als Greenfield-Projekt
    Kunde: Enazaha
    Standort: Nouakchott, Mauretanien
    Inbetriebnahme: Mai 2023
    Umfang:

    Turnkey-Molkerei mit kompletter Prozesstechnik für eine Leistung von 12.000 Litern pro Stunde mit unter anderem

    Vom Milch-Importeur zum Milch-Produzenten

    Enazaha hat seinen Hauptsitz in Nouakchott und ist seit über 30 Jahren im Import, Export und Vertrieb von Lebensmitteln tätig. Das Unternehmen ist spezialisiert auf die Einfuhr von Reis, Tee, Speiseöl, Milch und Getränken. Mit mehreren Niederlassungen im Land versorgt es das gesamte Staatsgebiet mit einer ganzen Reihe von eigenen Lebensmittel-Marken. Für sein Exportgeschäft hat Enazaha mehrere Niederlassungen außerhalb von Mauretanien eröffnet, wie zum Beispiel in den Nachbarländern Senegal und Mali. Der neue Businessplan des Privatunternehmens sieht vor, Milchpulver und Milchfett am Weltmarkt einzukaufen, zu importieren und in der eigenen Molkerei zu Fertigprodukten wie UHT-Milch, Kondensmilch und Trinkjoghurt zu verarbeiten. Diese Produkte sollen sowohl im eigenen Land verkauft als auch in Nachbarländer exportiert werden.

    „Der Bau einer eigenen Molkerei war für Enazaha ein großer Sprung vom reinen Importeur zum Produzenten“, erklärt Cheikh Ahmed Mohamed El Moustapha, der den Bau seit 2021 als Projektleiter begleitet hat. Enazaha hatte bislang schon kleinere Projekte zur Herstellung von Lebensmitteln umgesetzt, wie etwa eine Keksfabrik oder einen eigenen Reisanbau, aber noch nicht in dieser Größenordnung. „Der Markt beobachtet jetzt sehr genau, wie das Projekt läuft. Wenn wir erfolgreich sind, und davon gehen wir aus, wird es sicher ähnliche Projekte im Land geben“, meint Cheikh Ahmed Mohamed El Moustapha. Frühere Versuche von Wettbewerbern, in Mauretanien UHT-Milch im kleineren Umfang zu produzieren, waren gescheitert.

    Mauretanien mit seinen knapp fünf Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern besteht bis auf einen Streifen mit Savanne an der Küste im Wesentlichen aus Wüste und ist deshalb nicht in der Lage, selbst ausreichend Milch aus Viehhaltung zu produzieren. Das Projekt dient also auch der Unabhängigkeit und der wirtschaftlichen Weiterentwicklung Mauretaniens, das immer noch als eines der ärmsten Länder der Welt gilt. Die deutsche Bundesregierung unterstützte deshalb das Projekt durch die Übernahme einer Lieferantenkredit-, einer Vertragsgarantie- und einer Finanzkreditdeckung.

    Ein Greenfield-Projekt von Krones Middle East

    Geplant, ausgearbeitet und umgesetzt wurde das Greenfield-Projekt von Krones Middle East in Dubai. „Wir haben uns sehr schnell für Krones entschieden“, erklärt der Projektleiter. „Vor allem war uns wichtig, alles – bis auf das elektrische System – aus einer Hand zu bekommen, weil uns ganz einfach auch die Erfahrung für eine solches Projekt gefehlt hat.“ Zu Spitzenzeiten waren bei der Installation bis zu 30 Mitarbeitende von Krones Middle East auf der Baustelle. Dies wirkte sich positiv auf den Zeitrahmen aus: Nachdem die ersten Anlagen im Juni 2022 auf der Baustelle angekommen waren, konnte die Molkerei bereits im Mai 2023, also nur ein knappes Jahr später, nach erfolgreicher Abnahme ihren Betrieb aufnehmen. Am 11. April 2023 wurde das Werk in Mauretanien mit Teilnahme des mauretanischen Ministerpräsidenten und der deutschen Botschafterin feierlich eingeweiht.

    Wir haben uns sehr schnell für Krones entschieden. Vor allem war uns wichtig, alles – bis auf das elektrische System – aus einer Hand zu bekommen, weil uns ganz einfach auch die Erfahrung für eine solches Projekt gefehlt hat. Cheikh Ahmed Mohamed El MoustaphaProjektleiter

    Die neue Anlage im Detail

    • Zentrales Element der neuen Molkerei ist die Rekombinierungsanlage. Diese besteht aus einem Pulverlöser für das importierte Milchpulver mit einer Leistung von fünf Tonnen pro Stunde sowie einem Butterschmelzer zur Fettstandardisierung für die Herstellung von Milch.
    • Krones installierte ferner drei Lagertanks mit einem Volumen von jeweils 30.000 Litern.
    • Die Milch wird dann in der VarioAsept M ultrahocherhitzt. Diese ist als indirekte UHT mit einem Röhrenwärmetauscher ausgelegt, in dem innen das Produkt fließt und außen Heißwasser zur Erhitzung beaufschlagt wird. Die UHT-Anlage ist in der Lage, sehr flexibel mit unterschiedlichen Temperatur-/Zeit-Programmen zu arbeiten. So wird beispielsweise die Milch bei 143 Grad Celsius für fünf Sekunden erhitzt, Trinkjoghurt dagegen bei 95 Grad Celsius für 30 Sekunden. Auch die Proteinstabilisierung erfolgt in der Anlage. Dafür wird bei 92 bis 95 Grad Celsius über einen Zeitraum von 300 Sekunden das Molkeprotein denaturiert. Dies führt zu einer Erhöhung der Standzeit der UHT-Anlage, die speziell von Krones Middle East engineert wurde.
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    Eine VarioAsept M wurde mithilfe eines Röhrenwärmetauschers indirekt zu einer UHT-Anlage umfunktioniert.
    • Das Homogenisieren der Milchprodukte übernimmt ein Homogenisator der Krones Tochtergesellschaft HST. Zum Einsatz kommt ein Homogenisator HLI90 der neuen HLI-Serie mit einer Leistung von 90 Kilowatt. Dieser zweistufig arbeitende Homogenisator erreicht Drücke bis 250 Bar. Er ist in der Lage, die Produkte sowohl septisch als auch aseptisch zu verarbeiten. Die UHT-Milch mit 3,1 Prozent Fettgehalt sowie der Trinkjoghurt werden dabei septisch im Upstream, also vor dem Hochkurzzeiterhitzen, homogenisiert, die Kondensmilch mit 7,5 Prozent Fettgehalt dagegen aseptisch im Downstream nach dem Hochkurzzeiterhitzen. Dank der integrierten, kompakten Bauweise sind bei der HLI-Serie keine zusätzlichen Aggregate und Kühlmedien erforderlich, was zu erheblichen Einsparungen an Strom und Kühlwasser und damit natürlich auch zu einer spürbaren Kostensenkung führt.
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    Der zweistufig arbeitende Homogenisator HLI90 erreicht Drücke bis 250 Bar und ist in der Lage, Produkte sowohl septisch als auch aseptisch zu verarbeiten.
    • Die fertigen Produkte werden in zwei VarioStore Aseptik-Tanks mit 25.000 und 20.000 Litern Fassungsvermögen zwischengelagert und gelangen von hier direkt zur Abfüllung.
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    Die zwei installierten Aseptik-Tanks haben ein Fassungsvermögen von 25.000 beziehungsweise 20.000 Litern.
    • Die Krones Tochtergesellschaft Evoguard lieferte die komplette Ventil- und Pumpentechnik mit Aseptik-, Doppelsitz- und Scheibenventilen („Butterfly Valves“) sowie Kreiselpumpen.
    • Außerdem übernimmt eine, ebenfalls von Krones Middle East engineerte, vollautomatische CIP-Anlage mit drei Loops die Reinigung und Desinfektion der gesamten Prozesstechnik sowie der Abfüllung.

    Auch die Utilities organisierte Krones

    Im Krones Paket für die Turnkey-Molkerei waren selbstverständlich auch die Utilities enthalten. Dazu zählen Dampfkessel, Kälteanlage, Kompressor und Wasseraufbereitungsanlage. Die Hydronomic mit einer Leistung von 35 Kubikmetern pro Stunde verarbeitet bereits aufbereitetes Stadtwasser und kommt daher mit nur drei Aggregaten aus: einer Aktivkohle-Behandlung, einem UV-Filter, der Ozon und Chlor eliminiert, sowie einem Fein-Polierfilter (Polizeifilter).

    Ein Scada-System (Supervisory Control and Data Acquisition) übernimmt die Aufgabe, die Anlage zu steuern sowie Daten über ihren Betrieb zu sammeln und aufzuzeichnen. Damit ist unter anderem eine Chargenrückverfolgung möglich. Die gesamte Prozesstechnik kann so vollautomatisch von nur zwei bis drei Bedienern betrieben werden. „Eine weitgehende Automatisierung war immer eine unserer wichtigsten Forderungen in dem Projekt. Das macht alles viel einfacher“, davon ist Cheikh Ahmed Mohamed El Moustapha überzeugt. „Denn wir haben hier im Land zu wenig gut ausgebildetes Bedienpersonal. Die jetzigen Bediener kommen direkt von einer Techniker-Schule und waren bei der Inbetriebnahme von Anfang an dabei, sodass sie von Krones an der Anlage geschult werden konnten.“ 

    Die neue Molkerei läuft bereits im Mehrschichtbetrieb. Krones konzipierte sie so, dass sie bei Bedarf auf doppelte Leistung erweiterbar ist. Schätzungen zufolge liegt der Jahresbedarf an Milch in Mauretanien bei rund 200.000 Tonnen. Bei voller Auslastung der Kapazität kann die neue Molkerei rund 40.000 bis 50.000 Tonnen pro Jahr produzieren, also etwa ein Viertel des Bedarfs. „Sobald wir dies erreicht haben, werden wir die Anlage erweitern“, betont Cheikh Ahmed Mohamed El Moustapha.

    Ein großer Vorteil für Enazaha ist, dass die Vertriebsstruktur und die Distributionskanäle dank der bisherigen Importware bereits vorhanden sind. Die Molkerei hat also nur einen Kunden: Enazaha. Für die UHT-Milch kreierte Enazaha die Marke „Lobna“ neu. UHT-Milch ist auch das derzeitige Hauptprodukt der Molkerei, die Herstellung von Kondensmilch und Trinkjoghurt ist zwar vorgesehen, aber, so der Projektleiter, zunächst als „Plan B“.

    „Ein Volltreffer für Enazaha“

    Insgesamt zeigt sich der Projektleiter sehr zufrieden mit der Konzeption und Umsetzung der neuen Greenfield-Molkerei: „Das Projekt ist sehr glatt gelaufen, vor allem wenn man bedenkt, dass wir noch in Zeiten der Coronavirus-Krise begonnen haben. Die Mitarbeiter kommen gut mit der Anlage zurecht. Wir produzieren jetzt seit mehreren Monaten und es gab bisher keine Probleme. Im Notfall haben wir auch immer direkten Kontakt zu Krones in Dubai. Das war ein Volltreffer für Enazaha und Mauretanien.“

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