In einer Reihe von Projekten senkte Lion Brewery ihren Ressourcenverbrauch, machte die Produktion effizienter und steigerte ihre Produktvielfalt.
Der Produktionsstandort der Lion Brewery in Biyagama nahe Sri Lankas Hauptstadt Colombo
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Lion Brewery
Lion Brewery treibt ihre Weiterentwicklung konsequent voran – fachkundig begleitet von Steinecker und Krones. Die Projekte der letzten Jahre können sich sehen lassen: Sustainability Assessment durchgeführt, erste Maßnahmen daraus umgesetzt, neue Innovations-Brauerei (siehe Titelfoto) gebaut, Anlagen an modernste SAP-Systeme angebunden. Und es geht weiter, denn Stillstand kennen sie bei Lion nicht.
„Wir sind eine zukunftsorientierte Brauerei. Jeden Tag denken wir uns etwas Neues aus.“ So beschreibt Widhura Nuwan, Senior Vice President Engineering, die Unternehmenskultur bei Lion Brewery. In Sachen Produktionseffizienz und Nachhaltigkeit spielt die Brauerei weit vorne mit. „Nachhaltigkeit ist Teil unserer Geschäftsphilosophie, wir messen uns immer an anderen internationalen Brauereien,“ sagt Widhura Nuwan und ergänzt: „Wasser zum Beispiel stellt derzeit zwar keine nennenswerte Einschränkung dar, aber wir senken unseren Verbrauch trotzdem, weil es verantwortungsbewusst ist.“ Bei Energie sieht es schon anders aus. Sri Lanka deckt einen erheblichen Teil seines Energiebedarfs durch Wasserkraft, muss jedoch alle fossilen Brennstoffe zur Deckung seines verbleibenden Bedarfs importieren. Neben Kostenersparnis und geringeren CO2-Emissionen ist hier mehr Unabhängigkeit ein klares Plus. In diesem Sinn ist eine ressourcensparende Produktion nicht nur nachhaltig, sondern gibt speziell in Krisenzeiten Stabilität, weil sie unabhängiger vom Import fossiler Brennstoffe macht.
Ganzheitliches Sustainability Assessment
2023 startete Lion Brewery mit Steinecker und Krones ein systematisches Nachhaltigkeits-Assessment. „Gemeinsam sind wir einer der wenigen Anbieter, die das Expertenwissen für alle Prozesse mitbringen und für Brauerei und Abfüllung ganzheitlich beraten können,“ erklärt Severin Thomandl, Head of Sales für die Region Asien-Pazifik bei Steinecker. Einzelheiten zu dem Assessment und seinen Ergebnissen lassen sich in diesem Artikel nachlesen. Die Beratung lieferte einen umfassenden Bericht mit realistischen Zielen und einem stufenweisen Umsetzungs-Fahrplan, der die betrieblichen Gegebenheiten berücksichtigt. Basis dafür bildet der Brewnomic Baukasten mit seinen bedarfsgerecht kombinierbaren Modulen speziell für Brauereien.
Seit 2023 arbeitet Lion Brewery mit Steinecker an Nachhaltigkeitsmaßnahmen in der Brauerei.
Der Fahrplan folgt dem Prinzip „Reduce – Reuse/Recycle – Replace“. Zuerst werden Energiebedarfe gesenkt, dann die Möglichkeiten der Energierückgewinnung ausgeschöpft und zuletzt der verbleibende Energiebedarf aus möglichst nachhaltigen Quellen gedeckt. Das zweite Prinzip des Fahrplans lautet „Quick Wins First“. Man beginnt mit schnell wirkenden und ohne viel Aufwand umsetzbaren Maßnahmen, bevor man aufwändigere Umbauten in Angriff nimmt. Den Schluss bilden langfristig einzuplanende Investitionen. Widhura Nuwan ist mit dem Assessment sehr zufrieden: „Wir haben jetzt einen Fünf-Jahres-Plan. Er wird uns sehr dabei helfen, unseren Weg zur Energiewende zu gestalten.“ Erste Punkte sind schon umgesetzt, berichtet er: „Zuerst haben wir den Wärmeverbrauch gesenkt, um Brennstoff einzusparen. Als zweites gingen wir unseren Bedarf an elektrischer Energie an und danach unseren Wasserverbrauch.“
Beratung klappt auch virtuell
Eine Besonderheit des Assessments war, dass es vollständig remote ablief und so erheblich Zeit und Reisekosten sparte. Möglich war das aufgrund des technischen Know-hows bei Lion Brewery und weil das Equipment von Steinecker und Krones stammt. „Wir konnten relevante Parameter wie Strom, Heizenergie, Heißwasser und Kältebedarfe aus dem Prozessleitsystem Botec oder aus Durchfluss- und Temperatursensoren auslesen,“ erklärt Thomandl. Fehlende Werte konnte das Beratungsteam dank seines Erfahrungswissens aus Anlagen weltweit ergänzen oder plausible Annahmen treffen. Auch für Widhura Nuwan hat das virtuelle Vorgehen gut funktioniert: „Es ist sehr sinnvoll, das Assessment zu Beginn remote zu machen, es spart eine Menge Kosten und Ressourcen. Aber die endgültigen Eingriffe sollten vor Ort erfolgen. So können praktische Überlegungen vor Ort berücksichtigt werden und es fördert die Verbindung zwischen den technischen Teams. Unsere Belegschaft profitiert enorm vom Wissenstransfer und deshalb würde ich immer hybrid vorgehen, also das Assessment selbst remote abwickeln, aber die Maßnahmen persönlich vor Ort umsetzen.“ Natürlich beraten Steinecker und Krones auch Brauereien mit Equipment von anderen Herstellern, das jedoch geht nicht ohne eine Bestandsaufnahme und Messungen vor Ort. „Für Steinecker Kunden mit gut dokumentiertem ‚As-built‘-Stand bieten wir neben der hybriden Variante aber auch die virtuelle Option an“, betont Severin Thomandl.
Die ersten Maßnahmen wirken schon
Mittlerweile sind in den beiden Sudhäusern erste Optimierungen umgesetzt. Aus Würzekühlung und Verdampfung wird Wärme rückgewonnen und für den Betrieb des Läuterwürze-Erhitzers genutzt, dies erlaubt mehr Flexibilität bezüglich der Verdampfungsrate. Dieses System ist die Vorstufe für EquiTherm Brew, dem Steinecker System zur Rückgewinnung thermischer Energie im Sudhaus. Für die volle Lösung müssen bei Lion noch die beiden Maischgefäße auf Heißwasser statt Dampf zur Wärmeversorgung umgestellt werden. Bis es so weit ist, spart Lion aber schon einiges ein, sagt Widhura Nuwan: „Die Wärmerückgewinnung und die Absenkung der Verdampfungsrate von 4,5 auf maximal 3,5 haben unseren Brennstoffbedarf deutlich gesenkt.“
Ein wichtiger Ansatzpunkt für eine effizientere und ressourcensparende Produktion ist die Reinigung. Während des Vor-Ort-Einsatzes von Steinecker wurden alle CIP-Prozesse von Sudhaus, Gärbereich und Drucktankkeller analysiert und optimiert. Neben deutlichen Zeiteinsparungen für die jeweiligen Gewerke konnten auch die Verbräuche für Wasser und Reinigungsmedien deutlich gesenkt werden. Allein im Gärbereich sank die Reinigungszeit der Gärtanks durch diverse Prozess- und Softwareanpassungen auf etwa die Hälfte. Zusätzlich wurden die CIPs der Rohrleitungen auf die sogenannte „Pfropfen-Philosophie“ umgestellt. Dabei wird zum Ausschieben des Reinigungsmediums die Rohrleitung nicht über die gesamte Länge mit Wasser ausgeschoben, sondern lediglich mit einem ausreichend großen Wasser-Pfropfen. Das reduziert die benötigten Ausschubmengen für Wasser signifikant. Marcel Thielecke, Inbetriebnahme-Ingenieur bei Steinecker, hat diese Maßnahmen bei Lion umgesetzt. Er erklärt: „Bei der Inbetriebnahme einer neuen Brauerei werden die Reinigungsprozesse oftmals bewusst mit zusätzlichen Reserven eingestellt, um Produktsicherheit und mikrobiologische Stabilität sicherzustellen. Dies liegt auch daran, dass der Inbetriebnahmezeitraum begrenzt ist und noch keine langfristigen Beobachtungen unter realen Produktionsbedingungen möglich sind. Sobald mehr Betriebserfahrung vorliegt, ist es sinnvoll, die Reinigungsprozesse erneut zu prüfen und gegebenenfalls weiter gezielt zu optimieren.“ Widhura Nuwan hat der Ansatz überzeugt: „Unsere Reinigungsabläufe waren zu Beginn auf Sicherheit ausgelegt, aber mittlerweile sind die Prozesse eingefahren und wir können sie optimieren, ohne dabei Abstriche bei Sicherheit oder Qualität zu machen. Das Konzept ist also absolut einleuchtend und die Vorteile liegen auf der Hand.“ Außerdem, ergänzt Severin Thomandl, sei die CIP-Optimierung ein echter Quick Win: „Man muss dafür nicht in Hardware investieren, sondern nur die Steuerung anpassen.“
Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Der Wasserverbrauch pro Hektoliter Kaltwürze sank um 21 Prozent. Das spart zudem thermische Energie und steigert die Produktivität. Widhura Nuwan ist beeindruckt: „Ich befasse mich schon lange mit Ressourceneffizienz, aber ich bin wirklich überrascht, wie viel wir durch die CIP-Optimierung einsparen.“ Er ist voll des Lobs über den Einsatz des Technikers: „Man kann kommen und den Job erledigen und wieder heimfahren. Aber Marcel hat außerdem unser technisches Personal geschult, so dass wir uns nun selbst helfen können.“
Weiterverwertung für Kieselgur
Auch über das Assessment hinaus treibt Lion Brewery Nachhaltigkeit voran und fand, unterstützt von Steinecker, eine Lösung für die Weiterverwertung von Kieselgur. Kieselgur dient als Filtriermittel beim Filtern des Biers nach dem Gären und wird normalerweise als Abfall entsorgt. Lion reduzierte zunächst die Menge des Filtermaterials pro Hektoliter Bier und beauftragte dann Steinecker, gemeinsam mit einem Filterhersteller eine Presse zu installieren, sodass der Kieselgur-Schlamm nicht nass ausgegeben wird. Damit entfällt das zusätzliche Trocknen. Der Kieselgur-Abfall dient nun als teilweiser Materialersatz in Beton und Betonblöcken. 2025 wurde Lion Brewery dafür mit dem Global Drinks Intel ESG Award in der Kategorie „Abfallvermeidung“ ausgezeichnet.
Eröffnet neue Möglichkeiten: die Innovation Brewery
Immer in Bewegung bleibt Lion Brewery auch beim Bier: Seit 2024 läuft die neue sogenannte Innovation Brewery, bestehend aus einem CombiCube von Steinecker und einer Kombi-Linie für Dosen und Glasflaschen von Kosme sowie einer Keg-Linie. Diese Investition war auch nötig, denn: In der auf hochvolumige Produktion ausgerichteten großen Brauerei ist es nicht praktikabel, kleine Chargen von Spezialbieren zu brauen, mit neuen Braustilen zu experimentieren oder lokale Zutaten mit einzubeziehen. Im Ergebnis konnte Lion sein Produktportfolio erheblich erweitern und nun so exotische Biersorten wie Pure Ceylon Tea Beer, Cucumber Lime, Ambalavi Mango und Thambapanni Red Ale anbieten, um nur einige zu nennen. Lion schult außerdem seine Belegschaft in der Innovation Brewery und will diesen Bereich weiter ausbauen, so Widhura Nuwan: „Wir möchten unsere Trainings auch extern anbieten und arbeiten daran, von den großen Brauerei-Instituten zertifiziert zu werden.“ Immerhin ist die Innovation Brewery die einzige ihrer Art in ganz Sri Lanka.
Sudhaus und Tanklager der Innovation Brewery
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In der Innovation Brewery werden viele neue Biermarken entwickelt
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Digitale Lösungen als Effizienz-Booster
Auch in Sachen Digitalisierung ist Lion Brewery Vorreiter. Als einer der ersten der Branche im asiatischen Raum implementierte Lion das neueste ERP-System von SAP, S/4HANA. ERP steht für Enterprise Resource Planning, also für die Planung und Steuerung aller für die Unternehmenstätigkeit nötigen Ressourcen, vor allem von Material. „Es lag nahe, die Produktion an dieses hochwertige ERP-System anzubinden, um ein durchgängig integriertes Datensystem optimal zu nutzen,“ sagt Widhura Nuwan. Umgesetzt haben die Anbindung die Digitalisierungsteams von Krones und Steinecker in enger Abstimmung. „Für Lion realisierten wir die Schnittstellen zwischen unseren Anlagen und deren SAP-System. Generell bietet Krones als SAP-Partner aber auch komplette SAP-Implementierungen an“, erklärt Daniel Zmijanac aus dem Digitalisierungs-Sales-Team von Krones.
Die beiden großen Sudhäuser waren über das Prozessleitsystem Botec bereits an das alte SAP-System angebunden gewesen. Nun sind sie integriert in S/4 HANA, das bei neuen Bierbestellungen den Materialbedarf automatisch an Botec übermittelt. Bei Abfüllung und Verpackung wurde zunächst das vorhandene System zur Analyse der Betriebsdaten, das den Zustand der Anlagen erfasst, durch die aktuelle Analytics-Lösung ersetzt. Zusätzlich erhielten die Linien noch Line Management, eine Lösung für die automatisierte Auftragsabwicklung und Materialversorgung. Darauf aufbauend wurde die Schnittstelle zum SAP-System realisiert. Anhand der von SAP übermittelten Bedarfe macht Line Management Vorgaben oder Vorschläge, wie die Linie umgerüstet werden sollte. Das unterstützt das Bedienpersonal und macht Produktwechsel effizienter. Außerdem können einzelne Linienteile mit einem neuen Produkt starten, während im Trockenteil das alte Produkt noch zu Ende verpackt wird. Dieser fliegende Produktwechsel spart sehr viel Zeit. Dank Line Management laufen die Prozesse effizienter, zudem fallen weniger Reinigungen an. Und noch sind nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft, betont Daniel Zmijanac: „Ein Feature ist zum Beispiel die Überwachung der Restmenge im Tank, mit der sich die Zufuhr von Materialien wie Neuglas optimieren lässt.“
Mit den neuen digitalen Lösungen gewinnt Lion Brewery zusätzliche Stellschrauben zur Verbesserung seiner Prozesse, sagt Widhura Nuwan: „Wir wollen einen Data Lake, also einen Speicher für sämtliche Unternehmensdaten, in hoher Qualität aufbauen. Das verschafft uns künftig Zugang zu weiteren datenbasierten Lösungen wie umfassende Data Analytics oder Augmented Reality. Wir wollen auch Daten auf dem Shopfloor zugänglich machen. Ein Beispiel ist die Analyse der Materialverluste beim Verpacken für jede Stock Keeping Unit, um Ansatzpunkte für Optimierungen zu finden.“ In den Data Lake können nun auch die Produktionsdaten aus den Krones Systemen einfließen. Langfristig will Lion Brewery mit der Krones Lösung Shopfloor Guidance auf zustandsbasierte Wartung, also Condition Based Maintenance (CBM), setzen, sagt Widhura Nuwan: „Im Moment halten wir zur Risikominimierung eine Menge Material und Ersatzteile vor, aber das bindet Kapital. Mit einem guten CBM können wir unsere Lagerbestände weiter optimieren und eine effizientere Mittelverwendung erzielen.“
Lion Brewery kann zufrieden auf die Projekte der letzten Jahre blicken. Der Betrieb ist effizienter geworden und spart heute schon Kosten und Ressourcen. Die Innovation Brewery ermöglichte eine erhebliche Ausweitung des Produktportfolios und sie ist weiterhin eine Quelle der Inspiration und des Wissenstransfers. Widhura Nuwan richtet den Blick schon auf das, was kommt: „Als nächstes steht wahrscheinlich die komplette Umstellung auf EquiTherm Brew an. Wir werden unseren Weg Schritt für Schritt weiter gehen. Und eines Tages werden wir hoffentlich Phoenix BMC oder eine ähnliche Lösung implementieren, dann sind wir wirklich energieautark. Aber bis dahin ist der Weg noch lang.“ Nicht zu unterschätzen sei bei all dem die fachkundige und fast freundschaftliche Begleitung durch Steinecker und Krones, meint er: „‚Zusammenarbeit‘ ist fast der falsche Ausdruck, um unser gemeinschaftliches Arbeiten zu beschreiben. Es fühlt sich viel mehr wie eine Familie an.“