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    Schlanke Powerlinie für Paulaner

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    Die Münchner Paulaner Brauerei vertraut in ihrer vor acht Jahren neu gebauten Braustätte mit einer neuen Mehrwegglas-Abfüllanlage nun erstmals auf Abfülltechnik aus dem Hause Krones.
    • Paulaner ist ein alteingesessener Münchner Betrieb, der mittlerweile in über 80 Länder weltweit exportiert.

    Die Paulaner Brauerei Gruppe hat ihre Abfüllkapazität um eine neue Mehrwegglas-Anlage mit einer Leistung von 50.000 Flaschen pro Stunde erweitert. Für die vor acht Jahren neu gebaute Braustätte in München-Langwied erhielt Krones damit erstmals einen Auftrag für die Abfülltechnik von Paulaner. Die Mehrweg-Anlage besticht durch ihr maximal kompaktes und dennoch bedienerfreundliches Layout, das auf nur 1.400 Quadratmetern umgesetzt werden konnte.

    Vor fast mehr als zehn Jahren war es der weltweit bekannten Paulaner Brauerei endgültig zu eng geworden an ihrem traditionellen Standort am Nockherberg, mitten im Herzen von München. Mit einer Kapazität von über zwei Millionen Hektolitern pro Jahr war sie an ihre Grenzen gestoßen, weitere Expansion in der Lage unmöglich. Und dies, obwohl die Nachfrage nach den Bieren der klassischen bayerischen Sortimentsbrauerei boomte. Also entschied sich die vor fast vier Jahrhunderten – nämlich im Jahr 1634 – am Nockherberg gegründete Brauerei dazu, an einen neuen Standort umzuziehen, natürlich – für eine Münchner Brauerei selbstverständlich – innerhalb der Ortsgrenzen der bayerischen Landeshauptstadt. Es fand sich ein optimaler neuer Platz im Westen von München, im Stadtteil Langwied. Dieser ist direkt an ein Kreuz von zwei Autobahnen angebunden und bietet damit hervorragende logistische Voraussetzungen.

    Im Jahr 2014 wurde der Grundstein für die neue Braustätte gelegt, die zunächst auf eine Kapazität von 3,5 Millionen Hektolitern ausgelegt wurde. Ein Masterplan berücksichtigte die Option für eine spätere Erweiterung. Und genau diese Option wurde jetzt mit dem Aufstocken der Abfüllmöglichkeiten genutzt. Denn im vergangenen Jahr hatte die Braustätte in München-Langwied im Dreischichtbetrieb an sechs Tagen in der Woche ihre Kapazitätsgrenze erreicht. „Das Wachstum ging schneller als gedacht“, sagt Rainer Kansy, Leiter der Betriebstechnik bei Paulaner, „aber das ist ja gut so. Es ist immer schön, wenn man sich mit Wachstum beschäftigen darf und nicht mit Stillstand.“

    Beim Neubau war Krones verantwortlich für die Produktion und die Prozesstechnik

    Krones hatte damals, 2014, den Auftrag zum Bau der kompletten Anlage zur Bierproduktion erhalten. Als Generalunternehmer war Krones verantwortlich für die Produktion und die Prozesstechnik mit Schnittstellen zur Energieversorgung einerseits und zum Drucktankkeller beziehungsweise zur Abfüllung andererseits. Im Lieferumfang von Krones war die vollständige Technologie für zwei Sudlinien, den Hefekeller sowie die Integration des Gär- und Lagerkellers, der Filtration und des Drucktankkellers enthalten. Ebenso installierte Krones die Wasseraufbereitungsanlage Hydronomic mit einer Leistung von 550 Kubikmetern pro Stunde. Die Automatisierung von der Malzannahme bis hin zur Abfüllung übernahm durchgängig das Prozessleitsystem Botec F1 von Steinecker, dem Bier-Spezialisten der Krones Gruppe.

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    Beim Neubau im Jahr 2014 war Krones verantwortlich für die Produktion und die Prozesstechnik.

    Anfang 2016 herrschte in der neuen Braustätte in Langwied bereits Vollbetrieb, das Brauen am Nockherberg konnte kurz darauf komplett eingestellt werden. Die Paulaner Brauerei Gruppe hatte sich seinerzeit dazu entschieden, die Abfüllung sowie den Bau des Gär- und Lagerkellers an zwei weitere Lieferanten zu vergeben. Die Erstausstattung der Abfüllung enthielt zwei Mehrwegglas-Anlagen, eine Mehrweg-/Einweg-Kombilinie, eine Einwegglas-Anlage, eine Dosenlinie sowie eine Keg-Abfüllanlage.

    Geschicktes Layout war gefragt

    Nun wollte die Brauerei zum einen die Leistung ihrer Dosenabfüllung durch eine größere Linie steigern, zum anderen die Kapazität der Mehrwegglas-Abfüllung durch eine zusätzliche Linie erhöhen. „Umso größer eine Brauerei wird, desto komplexer wird es“, stellt Rainer Kansy fest. Es gab nur noch einen freien Platz in der für sieben Linien ausgelegten Halle, den Standort Nummer 6. Hier ließ Paulaner zunächst eine große 90.000er Dosenlinie aufstellen. Damit wurde eine vorhandene 30.000er Dosenlinie auf Platz Nummer 7 obsolet, die von der Brauerei selbst abmontiert wurde und in der Brauerei Gruppe anderweitig verwendet werden wird. Als Aufstellungsort für die neue Krones Mehrwegglas-Linie mit einer Leistung von 50.000 Flaschen pro Stunde sollte nun dieser freigewordene Platz auf Nummer 7 genutzt werden. Da war ein geschicktes Layout für die Mehrwegglas-Linie gefragt. Und hier kam die Lösung von Krones ins Spiel.

    Krones Projektleiter Kilian Levenig erklärt: „Der zur Verfügung stehende Platz war nicht gerade großzügig bemessen, er war insbesondere recht schmal. Eine 30.000er Dosenlinie kommt natürlich mit einem deutlich geringeren Raumbedarf aus als eine 50.000er Mehrwegglas-Linie. Allein schon, wenn man bedenkt, dass bei einer Mehrweg-Linie eine voluminöse Flaschenreinigungsmaschine integriert werden muss. Wir konnten aber ein Layout erstellen, das den sehr beengten Platzverhältnissen gerecht wurde.“ Das sieht auch Rainer Kansy so: „Auf 1.400 Quadratmetern eine 50.000er Mehrweg-Linie aufzustellen, ist schon mehr als sportlich. In der Regel hat man da 1.000 Quadratmeter mehr Platz zur Verfügung. Mit diesem Layout hat uns Krones absolut überzeugt. Das sollte eine schlanke Powerlinie ohne Schnick-Schnack, trotzdem auf gehobenem Standard sein.“

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    Das Layout war aufgrund der beengten Platzverhältnisse herausfordernd.

    Voraussetzung dafür, dass eine Linie dieser Leistungsklasse überhaupt auf dieser Platzgröße untergebracht werden konnte, waren folgende Punkte:

    1. Paulaner entschied sich für eine Einend-Flaschenreinigungsmaschine Lavatec E.
    2. Es war kein großflächiger Pasteur nötig, denn die Produkte werden mit einer Kurzzeiterhitzungsanlage thermisch behandelt.
    3. Es ist keine Sortierung vorgeschaltet. Dies übernimmt für alle Linien ein externer Dienstleister auf dem Gelände der Brauerei.

    Komplette Mehrwegglas-Linie zur Abfüllung von Bier

    Die Linie mit einer Leistung von 50.000 Flaschen pro Stunde besteht unter anderem aus folgenden Maschinen:

    Sauerstoffarmes Abfüllen, hochpräzises Etikettieren

    Die Anlage dient in erster Linie zum Abfüllen eines Cola-Mixgetränks. Außerdem werden Weißbier in die 0,5-Liter-NRW-Flasche sowie helles Bier in die 0,5-Liter-Euro-Flasche abgefüllt. Verpackt werden die Flaschen in 20er Modulkästen. Um eine Kondenswasserbildung bei einer optionalen Umverpackung in Kartons zu vermeiden, füllt der Flaschenfüller Modulfill HES die Produkte bei 16 Grad Celsius ab. Dank seines elektronischen Füllsystems mit Sondentechnik ist der Modulfill HES prädestiniert für das schonende Abfüllen von Bier. Durch mehrfache Vorevakuierung mit zwischengeschalteter CO2-Spülung sorgt er für ein sauerstoffarmes Abfüllen, zwei verschiedene Geschwindigkeiten gewährleisten dabei ein optimales Fließverhalten.

    Bei der Etikettierung hat sich Paulaner für eine Ergomatic Pro ohne Vortisch entschieden, eine Etikettiermaschine also, an der die Etikettieraggregate fest angebaut sind. Eine Modul-Maschine mit austauschbaren Aggregaten war in diesem Falle nicht notwendig, da die Brauerei die Mehrweg-Glasflaschen ausschließlich mit Kaltleim-Etiketten ausstattet. Insgesamt drei Aggregate sind angebaut, jeweils eines für Rumpf-, Brust- und Rücken-Etiketten. Sie gewährleisten ein hochpräzises Etikettieren. Orientierung und Qualität des Etiketts sind durch Krones vertraglich garantiert, darauf legte die Brauerei im Sinne eines durchgängig positiven optischen Erscheinungsbildes besonderen Wert. „Es ist kein Geheimnis, dass Krones eine besondere Stärke bei der Etikettierung aufweisen kann und in Verbindung mit der Inspektionstechnik eine sehr ausgereifte Kombination bietet“, urteilt der Leiter des Engineering bei Paulaner, Karl Kümpfbeck. „Wir verwenden hier einen sogenannten Microcode, einen fünfstelligen Zahlencode, der verifiziert, dass das richtige Etikett auf der Flasche ist. Dies bedarf einer sehr exakten Etikettierung und einer ebenso sicheren Erkennung bei der Inspektion.“

    Gefüllte Flaschen queren die Reinigungsmaschine

    Die Herausforderung der engen Platzverhältnisse löste Krones mit einigen besonderen Kniffs: Generell wurde für das Layout eine Kammaufstellung gewählt, mit Zugang vom seitlichen Korridor und mit einem Abstand von rund zwei Metern zur benachbarten Linie. Trotzdem besteht ein zentraler Zugangsbereich für Aus- und Einpacker, um die Bedienung zu erleichtern. Im Nassteil mit Leerflascheninspektor, Flaschenfüller, Etikettiermaschine und Kurzzeiterhitzungsanlage setzte Krones im Sinne einer einfachen Zugänglichkeit und Bedienbarkeit auf eine kleine Arena-Aufstellung. Diesen Bereich bedienen zwei Mitarbeitende.

    Die Flaschenreinigungsmaschine wurde etwa mittig als Raumtrenner zwischen Nassteil und Trockenteil platziert. Für die Reinigungsmaschine ist ein dritter Mitarbeitender zuständig. Ein vierter Bediener kümmert sich um den gesamten Trockenteil. Im Anschluss an die Etikettiermaschine, also am Ende des Nassteils, führt ein Stetigförderer die gefüllten und etikettierten Flaschen in die Höhe auf Über-Kopf-Niveau. Dabei nutzte Krones die maximale Steigung von zwei Prozent, die durch den Kippwinkel der Flaschen limitiert ist. In der Höhe bewegen sich die Flaschen dann über den Bedienbereich der Flaschenreinigungsmaschine hinweg.

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    Paulaner entschied sich für eine relativ kleine Einend-Flaschenreinigungsmaschine.

    An einer Stelle laufen sogar vier Transportbänder übereinander: ganz unten Schmutzkästen mit Flaschen zum Auspacker, darüber in Gegenrichtung die ausgepackten Flaschen zur Reinigungsmaschine, in der dritten Ebene die abgefüllten Flaschen zum Einpacker und darüber wiederum die ausgepackten Leerkästen zum Kastenwascher. An einer anderen Stelle bringt ein Spiralförderer bei Bedarf Neuglas vom in der Höhe entladenen Behälterabschieber auf die Transportebene des Auspackers. „Alles, was transporttechnisch unkritisch ist, haben wir auf einer zweiten Ebene platziert“, erklärt Karl Kümpfbeck.

    Außerdem setzte Krones die Kurzzeiterhitzungsanlage VarioFlash B auf eine 2,80 Meter hohe Bühne, um darunter Platz zu gewinnen – eine kleine Herausforderung bei der Installation. Paulaner legte Wert darauf, dass die Kurzzeiterhitzungsanlage steuerungstechnisch nicht in die Siemens Zenon Welt der Abfülltechnik von Krones integriert wurde, sondern vielmehr als Prozesstechnik-Equipment behandelt und deshalb mit dem Steinecker Prozessleitsystem Botec F1 ausgestattet wurde, so wie das Sudhaus und der Kaltblock. Für Paulaner eine Frage der Philosophie und der guten Erfahrungen mit Botec F1.

    Einsatz von Künstlicher Intelligenz bei der Inspektion

    Digitalisierungstechnisch war Krones gefordert, die Abfüllanlage an ein vorhandenes MES anzubinden und Schnittstellen zu klären, mit entsprechenden Ablagen für die Betriebsdatenerfassung und die Materialanforderungen. Ebenso musste Krones die Schnittstellen mit dem bestehenden fahrerlosen Transportsystem koordinieren, das alle Abfüllanlagen ver- und entsorgt.

    „Bei der Leerflascheninspektion in der Linatronic arbeiten wir erstmals gemeinsam mit Krones mit Künstlicher Intelligenz (KI)“, erläutert Karl Kümpfbeck, der das Projekt von Anfang an begleitet hat. „Die Anlage soll eine Leistung von 800.000 Hektolitern pro Jahr erreichen, unser Ziel sind sogar 900.000 Hektoliter. Dazu muss eine Anlage natürlich richtig gut laufen. Unter Kostengesichtspunkten ist es dabei entscheidend, dass zwar fehlerhafte Flaschen tatsächlich erkannt und ausgeschleust werden, aber die Ausleitquote andererseits möglichst niedrig gehalten wird. Beispielsweise tauchen bei der Mündungskontrolle rein optische Fehler auf, die aber dennoch zum Ausschleusen der Flaschen führen würden. Die KI wertet Millionen von Flaschenfotos aus und gleicht sie mit der zu prüfenden Flasche ab, mit dem Ziel, Fehler reproduzierbar zu machen. Wir bedienen uns ausschließlich dieser KI als Datenpool“, erklärt er.

    Zeitplan eingehalten

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    „In den heutigen Zeiten ist es keine Selbstverständlichkeit, eine Glas-Mehrweg-Linie in einem solchen Zeitrahmen hochzufahren“, so Karl Kümpfbeck.

    „Neben der geschickten Lösung für das Layout war die größte Herausforderung, die Linie im Zeitplan zu installieren und hochzufahren. Man darf nicht vergessen, dass Mitte Februar 2022, als die Anlieferung der Maschinen begann, noch deutliche Auswirkungen der Coronavirus-Krise zu spüren waren und die gesamte Industrie mit Beschaffungsproblemen zum Beispiel für Elektrokomponenten zu kämpfen hatte“, erläutert Karl Kümpfbeck. Die engen Platzverhältnisse erforderten eine sequenzielle Anlieferung und Aufstellung der einzelnen Maschinen von der Seite des Nassteils her. Im Mai 2022 verließ das erste verkaufbare Produkt die Anlage, im Oktober des gleichen Jahres war die neue Linie erfolgreich abgenommen und das Projekt beendet. „In den heutigen Zeiten ist es keine Selbstverständlichkeit, eine Glas-Mehrweg-Linie in einem solchen Zeitrahmen hochzufahren. Das war nur möglich, weil das Baustellen-Team einen super Job gemacht hat und die Zusammenarbeit von Krones mit Paulaner sehr professionell, auf Augenhöhe, transparent und sehr fokussiert auf den Zeitplan funktioniert hat“, betont Karl Kümpfbeck. „So konnten wir den Wirkungsgrad in der Ramp-up-Phase sehr schnell erreichen.“ 

    Klassische bayerische Sortimentsbrauerei

    „Gut, besser, Paulaner“ – der bekannte Slogan der Paulaner Brauerei ist nicht nur ein Werbespruch, sondern eine Richtschnur für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Seit den Anfängen 1634 als Klosterbrauerei steht der Name Paulaner für höchste Qualität und Münchner Bierkultur. Die Braumeister brauen in München das vielfältige Sortiment einer bayerischen Brauerei, von Klassikern wie Weißbier und Hellem über die Spezialitäten Salvator und Oktoberfestbier bis hin zu neuen Bierkreationen. Paulaner ist ein alteingesessener Münchner Familienbetrieb mit rund 900 Mitarbeitenden, der mittlerweile in über 80 Länder weltweit exportiert und sich zu einem global denkenden, modernen und erfolgreichen Markenunternehmen entwickelt hat. Zur Paulaner Gruppe gehören inzwischen eine ganze Reihe mittelständische deutsche Brauereien wie Fürstenberg, Schmucker, Hopf, Auer oder Höpfner. Zuletzt erwarb die Gruppe den Standort der Gothaer Brauerei.

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