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    Wein und Sekt
    Anlagentausch in der Sommerpause
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    Anlagentausch in der Sommerpause

      Der Verbrauch bewegt sich bei rund 3,8 Liter pro Kopf, oder besser gesagt, er bewegt sich kaum, stagniert eher. Der Markt ist deshalb ein reiner Verdrängungswettbewerb. Umso wichtiger ist für die Hersteller ein kosteneffizienter Produktions- und Abfüllprozess.

      Nur knapp vier Wochen Zeit hatten die Matheus Müller Sektkellereien in Eltville, eine Tochter der marktführenden Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien GmbH, um eine vorhandene Abfüllanlage abzubauen und eine neue Linie für die Abfüllung von 0,2-Liter-Piccolo-Flaschen zu installieren. Die 30.000er Linie musste zudem in sehr beengten Platzverhältnissen mit niedrigen Deckenhöhen untergebracht werden. Doch nicht nur der Zeitplan wurde exakt eingehalten, die Anlage brachte auch beste Wirkungsgrade bei der Abnahme. Der deutsche Sektmarkt ist hart umkämpft. Der Verbrauch bewegt sich bei rund 3,8 Liter pro Kopf, oder besser gesagt, er bewegt sich kaum, stagniert eher. Der Markt ist deshalb ein reiner Verdrängungswettbewerb. Umso wichtiger ist für die Hersteller ein kosteneffizienter Produktions- und Abfüllprozess. Auch für den Marktführer.

      Das MMchen in der Piccolo-Flasche

      Bald zwei Jahrhunderte reichen die Wurzeln von MM Extra zurück: 1811 erwarb Matheus Müller im Alter von 38 Jahren den damaligen Freiherrlich von Sohlern'schen Hof in Eltville. Müller war damals im Rheingau ein hochgeschätzter Weinfachmann. Bereits 1845 wurden über 300.000 Flaschen »Sect« verkauft. Die Initialen des Firmengründers prägen seit den 1950er Jahren die Etiketten. Von der Gründung bis zum Jahre 1984 befanden sich die Sektkellereien im Familienbesitz der Müllers. Erst dann wurde das Unternehmen an den internationalen Spirituosenkonzern Seagram veräußert. Im Jahre 2002 integrierte die Rotkäppchen Sektkellerei aus Freyburg an der Unstrut die Matheus Müller Sektkellereien unter dem Dach von »Deutschlands Haus aus Sekt«. Die so entstandene Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien GmbH ist sich dabei der besonderen Bedeutung der Marke MM Extra bewusst und wird diese Tradition auch im dritten Jahrtausend fortentwickeln. MM Extra gehört zu den sechs meistverkauften Sektmarken Deutschlands. Aber mit heute über 20 Millionen verkauften Flaschen pro Jahr scheint die Marke noch nicht an ihrem Höhepunkt angekommen zu sein. Herausragend ist die Marktführerschaft bei den Kleinflaschen: Das MMchen in der Piccolo-Flasche ist nach wie vor etwas Besonderes. Seine enorme Beliebtheit ist der beste Beweis für die Qualität dieses traditionsreichen Sektes. Genau hierfür, aber auch für die Kleinflaschen der anderen Sektmarken, war die Neuinstallation einer Abfüllanlage wichtig.

      Eine Erfolgsgeschichte

      Nicht minder spektakulär war die Entwicklung der jetzigen Muttergesellschaft von MM Extra. Rotkäppchen ist eine unternehmerische Erfolgsgeschichte der ehemaligen DDR. Die Sektkellerei wurde 1856 in Freyburg an der Unstrut begründet. Hier liegt heute mit 650 Hektar eines der kleinsten Weinanbaugebiete Deutschlands. Deshalb stammen auch nur die wenigsten Grundweine für das Rotkäppchen Portfolio von hier. Die meisten werden in Frankreich, Italien, Spanien und anderen deutschen Weinanbaugebieten gekauft.

      1948 war das Unternehmen, hervorgegangen aus der traditionsreichen Weinhandlung Kloss & Foerster, verstaatlicht worden und stellte als Volkseigener Betrieb (VEB) bis zu 15 Millionen Flaschen Sekt im Jahr her. Nach der politischen Wende 1989 brach der Absatz massiv ein und sank 1991 auf knapp drei Millionen verkaufte Flaschen Sekt, die Belegschaft musste von 360 auf 60 Mitarbeiter reduziert werden. Harte Zeiten. 1993 übernahm der ehemalige technische Leiter Gunter Heise zusammen mit vier Kollegen und mit Unterstützung durch die Unternehmerfamilie Harald Eckes-Chantré in einem Management-Buy-Out den Staatsbetrieb von der Treuhandgesellschaft. Heise und noch drei seiner Kollegen von damals, Lutz Lange, Ulrich Wiegel und Jutta Polomski halten die übrigen Anteile.

      Sekt- und Spirituosen-Marktführerschaft in Deutschland

      Im Jahr 2000 konnte die Marke Rotkäppchen mit insgesamt 50 Millionen Flaschen Absatz die Sekt-Marktführerschaft in Deutschland übernehmen. Und da der kanadische Getränkehersteller Seagram sich gerade von seiner deutschen Sektsparte trennen wollte, griff das ostdeutsche Unternehmen zu und erwarb 2002 die westdeutschen Sektmarken Mumm, Jules Mumm und MM Extra mit den Standorten Hochheim am Main und Eltville am Rhein. Eine kleine Sensation. In der deutsch-deutschen Getränkeindustrie allemal. Ein Jahr später kaufte die Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien GmbH zudem die kleine Sekt-Edelmarke Geldermann aus Breisach, die mit Flaschengärung arbeitet, mit ihren 2,5 Millionen Flaschen pro Jahr dazu.

      Ende 2006 gelang der Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien GmbH der Einstieg in das Spirituosengeschäft durch die Übernahme der Eckes Spirituosen & Wein GmbH mit seinen Weinbrand-Marken Chantré und Mariacron, dem Nordhäuser Doppelkorn sowie dem Likör Eckes Edelkirsch. Seitdem ist sie auch die Nummer eins im deutschen Spirituosenmarkt. Am deutschen Sektmarkt lag der Anteil der Rotkäppchen-Kellereien 2008 schon bei über 40 Prozent. Damit nicht genug: Im Oktober 2009 stärkte der Sekthersteller seine Weinsparte mit der Weinmarke Blanchet aus dem Haus Racke.

      Der so gut wie ausschließlich in Deutschland generierte Absatz konnte sich aber auch so sehen lassen: 2009 verkaufte Rotkäppchen-Mumm 200 Millionen Flaschen Sekt und Spirituosen bei 940 Millionen Euro Umsatz und ist im Sektsegment nun eindeutiger Marktführer mit rund 46 Prozent Marktanteil. Der Standort Eltville ist dabei mit rund 75 Millionen Flaschen pro Jahr etwa genauso groß wie der Rotkäppchen-Standort Freyburg. Fast alle Sektsorten werden an beiden Standorten Freyburg und Eltville aus Sektgrundweinen angesetzt und abgefüllt. In Nordhausen produziert Deutschlands Sekt- und Spirituosenhaus Nummer eins etwa 50 Millionen Flaschen, jeweils normiert auf die jeweilige Standard-0,75-Liter-Flasche.

      Abfüllung von Piccolo-Flaschen in Eltville konzentriert

      Einer von zwei Abfüllstandorten für Piccolo-Flaschen aller Sorten ist Eltville. Hier, am rechten Ufer des Rheins, nur zehn Kilometer entfernt von der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden, sind insgesamt drei Abfüllanlagen im Einsatz. Eine 0,75-Liter-Linie ist mit ihrer Leistung von 19.000 Flaschen pro Stunde im Dreischichtbetrieb voll ausgelastet. Die Magnum-Flaschen-Linie dagegen läuft im Jahr nur rund zwei Monate. Ganzjährig im Einschichtbetrieb wiederum wird die Piccolo-Linie betrieben. Die vorhandene Krones Piccolo-Linie aus dem Jahr 1984 war nach 25-jähriger solider Arbeit in die Jahre gekommen. Ein Austausch war angesagt. Unter Leitung von Ulrich Wiegel, Geschäftsführer der ersten Stunde und Technischer Direktor der Rotkäppchen-Mumm Sektkellerei GmbH aus Freyburg sowie dem Technischen Leiter vor Ort in Eltville, Joachim Engler, wurden dazu die Angebote von drei Herstellerfirmen evaluiert.

      Krones hatte am Ende die Nase vorne. Und das aus mehreren Gründen. »Zum einen waren es natürlich die guten Erfahrungen, die unser Haus über Jahrzehnte mit Krones gemacht hat, sowohl hier in Eltville als auch in Freyburg, wo wir ebenfalls komplett mit Krones Anlagen ausgestattet sind«, erläutert Ulrich Wiegel. »Zum anderen hat uns als Techniker vor allem auch die Technologie überzeugt, die Krones offerierte. Dabei war der Füller natürlich die wichtigste Komponente im ganzen Projekt.« Der eingesetzte mechanische Gegendruckfüller Mecafill VKPV-CF mit Füllhöhenkorrektur nutzt bewährte Kurzrohrtechnik mit Rückluftrohr. »Bei dieser Kurzrohrtechnik sah der Füllvorgang wesentlich ruhiger und schonender für das Produkt aus als bei der Langrohrtechnik. Auch die Vermeidung einer CO2-Aufnahme aus dem Vorspanngas ist beim Kurzrohr zuverlässiger sichergestellt, denn die Zugabe von technischem CO2 zum Sekt ist ja generell verboten. Dieses Füllprinzip kannten wir schon ausgiebig und haben damit gute Erfahrungen gesammelt.«

      Möglichkeit der Abfüllung bei 14 bis 20 Grad Celsius

      Ein Positiv-Kriterium war auch die Möglichkeit der Warmabfüllung. Trotz des hohen CO2-Gehalts wird bei Umgebungstemperatur abgefüllt. Dadurch kann auf einen Produktkühler verzichtet werden. Außerdem wird durch diese Warmabfüllung eine Schwitzwasserbildung auf den Flaschen vermieden. Damit der Sekt genügend Zeit zur Beruhigung während der Füllphasen hat, ist es jedoch nötig, einige Ventile mehr einzusetzen. »Krones konnte die jetzt 144 Füllstellen im gleichen Karusseldurchmesser unterbringen, dadurch wurde der Füller nur unwesentlich teurer«, erklärt Ulrich Wiegel. »Mit dieser geringen Mehrinvestition können wir warm abfüllen und haben mehr Sicherheit in der Maschine. Auch die Zuverlässigkeit der Ersatzteillieferung und des Service von Krones war für uns ein sehr wichtiger Punkt«, ergänzt Joachim Engler.

      Enges Zeitfenster eingehalten

      Als klar war, dass sich Rotkäppchen-Mumm für den Krones Mecafill entschieden hatte, wollte das Unternehmen auch alle restlichen Maschinen, somit die komplette Anlage, von Krones und gab fast auf dem Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise im Dezember 2008 mutig und mit Blick nach vorn die komplette Linie in Auftrag. »Wir machen im Sommer drei Wochen Generalreparatur, was wir durch Absprache mit der Produktionsplanung für diese Linie auf vier Wochen ausdehnen konnten und in dieser Zeit wollten wir alles umbauen. Das geht nicht, wenn man auch noch mit mehreren Lieferfirmen zusammen arbeiten will«, sagt Joachim Engler.

      »Es waren ohnehin schon bis zu zehn verschiedene Gewerke gleichzeitig auf den 400 Quadratmetern zu Gange, um die alte Anlage auszubauen, den Fußboden zu entfernen, die Wände teilweise umzubauen, den neuen Fußboden zu verlegen, die Wasser-, Energie- und Stromführung neu zu ordnen und schließlich die neuen Maschinen zu installieren. Am ersten Tag der Inbetriebnahme nach diesen vier Wochen ist es tatsächlich gelungen, 5.000 Flaschen auf der Linie zu fahren. Wir haben am 3. August 2009 auf den Knopf gedrückt und die Anlage lief. Ein großes Kompliment. Ich bin selten beeindruckt, aber das hat Spaß gemacht«, meint Ulrich Wiegel. Das sieht auch Joachim Engler so: »War zwar Stress hoch drei in einem so engen Zeitfenster, aber hat echt Laune gemacht. Wir konnten dann bei der Abnahme auch einen tollen Wirkungsgrad mit 98,5 Prozent fahren.«

      Offen für andere Produkte

      Nicht nur die Aufstellfläche war auf 400 Quadratmeter begrenzt, auch die Höhe des vorhandenen Hallenteils war mit nur 2,90 Metern verhältnismäßig niedrig. Da passte der Füller gerade noch hinein. Großer Vorteil andererseits war der daraus resultierende, äußerst niedrige Geräuschpegel. Um Platz zu sparen, entschied sich Rotkäppchen-Mumm von Anfang an für einen Rinser-Füller-Block mit Zwei-Kanal-Rinser für Wasser und der Option Peressigsäure. Zur Füllerreinigung lieferte Krones auch eine neue CIP-Anlage. Ein Checkmat prüft Füllhöhe und Verschlusssitz. Der Block ist in einem Reinraum untergebracht – völliger Luxus zumindest für die Sektabfüllung. Aber Ulrich Wiegel denkt weiter: »Damit sind wir in Zukunft offen für andere Produkte. Wer weiß, was kommt.«

      Als Übergang und Pufferstrecke zur Etikettiermaschine dient ein Glideliner. Er ist relativ lang ausgelegt, damit in einer zweiten Ausbaustufe auch noch andere Aggregate, beispielsweise ein Trockentunnel oder eine Kapselmaschine, Platz finden. Schließlich waren neu eingeführte Rosé-Produkte wie Rotkäppchen Sekt Rosé Trocken, Jules Mumm Rosé Dry oder Mumm Rosé Dry in den vergangenen Jahren recht erfolgreich. Erstmals auf den Markt brachte Rotkäppchen-Mumm 2009 eine alkoholfreie Rotkäppchen Variante, und weitere Innovationen werden sicherlich folgen.

      Etikettiermaschine in Modulbauweise

      Die Zukunft im Blick hatte Rotkäppchen-Mumm auch mit der Installation einer Etikettiermaschine in Modulbauweise. Die Topmodul mit Kameraausstattung zur Etikettenausrichtung beispielsweise für voretikettierte Flaschen verfügt derzeit über drei Aggregate für Nassleim-Papieretiketten. Sie kann aber auch jederzeit zum Beispiel mit Autocol-Aggregaten für No-Label-Look ergänzt werden. Ein nachgeschalteter Checkmat prüft Vorhandensein und Sitz der Etiketten sowie die Chargennummer. Mit der Installation der neuen Linie stellte Rotkäppchen-Mumm auch die Piccolo-Flaschenform um. Der Hals wurde etwas gerader, weniger geneigt, gleichzeitig wird statt Halsstanniol jetzt ein Papier-Halsetikett verwendet.

      Nichts verkehrt gemacht

      Neu installierte Rotkäppchen-Mumm auch einen Pressant Neuglasabschieber. Das führte zu einer Vereinheitlichung der Palettenlagen. Denn in der alten Anlage mussten die Paletten von Hand abgeräumt werden. Deshalb wiesen sie grundsätzlich eine Lage weniger auf. »Jetzt haben wir an allen Standorten einheitlich die gleiche Lagenzahl«, erklärt Ulrich Wiegel. In 2010 will Rotkäppchen-Mumm auch den Verpackungsbereich mit der Palettierung, der in einem angrenzenden Hallenteil untergebracht ist, neu gestalten.

      »Die Zusammenarbeit der Krones Mitarbeiter mit dem Personal in Eltville während der Installationsphase hat wunderbar funktioniert, das hat wirklich ineinander gegriffen, ist abgelaufen wie am Schnürchen«, urteilt Ulrich Wiegel. »Das hat uns darin bestärkt, dass wir bei dieser gesamten Investition nichts verkehrt gemacht haben.«


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